Der KAT Walk – 100 Kilometer durch die Kitzbüheler Alpen

Erster echter Urlaub dieses Jahr. Möglichst weit weg von Corona und den Beschwerlichkeiten des Alltags. Wie’s der Zufall will, hatten wir uns dafür schon letztes Jahr das perfekte Ziel ausgesucht: einen Fernwanderweg …

Und zwar den KAT Walk, wobei das Akronym für Kitzbüheler Alpen Trail steht. Folgerichtig führt er in mehreren Tagen und Etappen durch die Kitzbüheler Alpen. Die von uns gewählte Alpin-Variante hatte sechs Etappen, die sich zu rund 100 Kilometern Länge mit über 6.000 Höhenmetern summieren. Übernachtung jeweils in einem anderen Hotel, das Gepäck wurde freundlicherweise von Hotel zu Hotel transportiert. Man läuft also jeden Morgen nur mit Rucksack und guter Laune los, kommt nachmittags nach einer mehrstündigen Tour müde, aber immer noch gut gelaunt am Zielort an, wo das Gepäck bereits auf einen wartet. Duschen, abends essen, ins Bett fallen … und am nächsten Tag geht’s von vorne los. Es ist das perfekte Programm, um den Kopf frei zu bekommen.

Ich nehme euch, wenn ihr wollt, einmal kurz mit auf unsere Etappen:

Etappe 1: von Hopfgarten nach Kelchsau

Alles noch entspannt am Anfang, sanft steigende Wege auf Almen, erste schöne Aussichten. Oben auf „nur“ 1.338 Metern eine Tränke mit gekühlten Flaschen zur Selbstbedienung. Es gibt nichts Schöneres als ein kühles Bier oder Radler auf’m Berg (auf den man selbst gelaufen ist). Sanft wieder nach unten und Ankunft in einem winzigen Dorf mit genau einem Gasthaus. Das Essen? Nun ja, wir haben uns noch gesteigert in der Woche. Ich sage nur: Wurschtnudeln (Insidergag).

Etappe 2: von Kelchsau ins Windautal

Nach der Eingewöhnungs-Anlauframpe von Etappe 1 nun etwas mehr Anspruch: 1.200 Meter Anstieg auf den Lodron (1.925 Meter). Ein Gipfelkreuz mit herrlicher Rundumsicht. Das fand auch die Kuhherde, die sich hier breit gemacht hatte und uns alsbald zu Leibe rückte. Und da manche der Mit-Wanderer erhebliche Angst vor Kühen haben (nein, ich nicht), gaben die Klügeren nach (nein, nicht die Kühe) und machten sich alsbald wieder an den Abstieg. Nächstes Gasthaus mit genussvollem Abendessen und tiefem Schlaf, während finstere Wolken aufzogen …

Etappe 3: vom Windautal nach Aschau

Knapp 20 Kilometer, rund 1.000 Höhenmeter – das war der Plan für diesen Tag. Allein das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Es regnete Bindfäden. Wir haben uns schließlich schweren Herzens gegen den Berg bei diesem Wetter entschieden: zum einen sind viele Anstiege so was wie trockene Bachbetten – es sein denn es regnet, dann werden es Bäche; zum anderen waren viele Viehtritte schon bei Trockenheit matschige Herausforderungen, bei Dauerregen wäre das Durchqueren kein Spaß mehr gewesen; und schließlich: null Aussicht. Also haben wir die Talroute bis zum nächsten Bahnhof genommen, sind über Westendorf nach Kirchberg gefahren, von da mit dem Bus nach Aschau und dann nochmal zu Fuß bis zur Labalm – nächste Übernachtungsstation. Und zwar eine ganze wunderbare mit tollem Essen und ebenso tollem Ausblick aufs Tal.

Etappe 4: von Aschau nach Kitzbühel

Nächster Tag, Sonne, alles wieder gut. Auf nach Kitzbühel, und zwar über den Pengelstein. Das war gefühlt der steilste Anstieg, anstrengend und schön. Und dann nähert man sich unweigerlich dem touristischen Zentrum Tirols, was man an zweierlei merkt: Erstens der Ski-Infrastruktur. Statt einer Gratwanderung auf schmalen, felsigen Pfaden führen hier breite Asphalt-Wege von Gipfel zu Gipfel, rechts ne Gondel, links ein Skilift. Ist halt nur so mittelschön. Zweitens den Menschen. Die Gondeln befördern Nicht-Wanderer nach oben. Das ist schon ok, mit wenigen Ausnahmen: Wer aus der Gondel steigt, sollte keinesfalls mit Funktionskleidung und Stöcken bewaffnet die schwere Asphalt-Runde in Angriff nehmen. Und er sollte keinesfalls sein E-Bike aus der Gondel zerren, um damit die Fahrt nach unten anzutreten. Finde den Fehler … Aber egal.

Apropos Fehler: Bergab hätten wir eigentlich vom Hahnenkamm an der Streif, dieser berühmten Rennstrecke, nach unten wandern sollen, doch wir verpassten eine Abzweigung und befanden uns auf einmal auf einem Fahrweg, der sich ewig und drei Tage Richtung Kitzbühel schlängelte. Nach ungefähr drölfzig Kilometern ging uns die Lust aus, die Füße taten weg, die Sonne brannte … doch die Rettung nahte in Form von Harald. Harald kam mit seinem Transporter von einer Baustelle am Hahnenkamm und fuhr gen Tal. Wir sahen ihn so mitleidig an, dass er anhielt und fragte, ob er uns mitnehmen sollte. Er sollte. Es war die schönste Autofahrt unseres Lebens. (Und nein, er hieß nicht Harald. Harald hieß der Wirt auf der Labalm, aber wir haben ihm zu Ehren alle netten Menschen, die uns im Folgenden begegneten, Harald genannt.)

Etappe 5: von Kitzbühel nach St. Johann

Das Kitzbüheler Horn, den mit 1.996 Metern höchsten Punkt unserer Wanderung, sieht man schon vom Hahnenkamm aus imposant vor einem liegen. Ihm widmeten wir uns auf der vorletzten Etappe. Ich haben ihn den „trügerischen Berg“ getauft, denn man sieht den Gipfel dauernd vor sich und er wirkt nicht allzu fern … und dann zieht sich der Weg wie Kaugummi. Da wir auch hier im Skigebiet mit Gondelbetrieb sind, gibt’s am Ende wieder reichlich asphaltierte Wege, und die machen halt einfach nicht so viel Spaß. Dafür ist, oben angekommen, die Aussicht auf den Wilden Kaiser phantastisch und der Abstieg schön steil und abenteuerlich. Und St. Johann ist ein netter kleiner Ort mit dem Hotel Crystal als Refugium, das das tollste Essen der Reise zu bieten hatte.

Etappe 6: von St. Johann nach St. Ulrich

Und schon die letzte Etappe, nochmal 20 Kilometer, nochmal 1.000 Höhenmeter. Klingt wie eingeübt, allerdings machen sich am Tag 6 erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Der Anstieg war daher heftig, doch oben wurden wir belohnt mit gemütlichen Wegen auf einem Hochplateau und einem laaaangen Abstieg zum Zielort, St. Ulrich. Klar, der Weg war das Ziel, aber ankommen kann auch sehr schön sein.

Und falls ihr jetzt auf den Gedanken gekommen seid, das auch mal zu probieren … Hier geht’s zu Beschreibung und Buchung.

2 Gedanken zu “Der KAT Walk – 100 Kilometer durch die Kitzbüheler Alpen

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