10 Jahre Blog

Kaum zu glauben. Ein bisschen Corona hier, ein bisschen Lockdown Light da – und schon hat man den 10. Geburtstag dieses Blogs verpasst …

Muss das sein?, fragte ich am 20. Oktober 2010 und beantwortete die Frage gleich selbst mit Ja. Es musste sein, ich wollte ein Blog eröffnen und mich einreihen unter die zahlreichen Blogger des Landes. Es war gefühlt die Hochzeit des Bloggens in Deutschland, mein Feedreader war damals vollgepackt mit schönen, lesenswerten Blogs – von denen es sehr viele nicht mehr gibt. Die Blog-Landschaft hat sich seitdem ausgedünnt, die großen Social Media Plattformen haben viele Inhalte und Diskussionen ab- und angezogen: Facebook, Twitter, LinkedIn … Und einen Hype erleben heute nicht mehr Blogs, sondern Podcasts, die wie Pilze aus dem Boden sprießen.

Was mir am Bloggen immer gut gefallen hat und weshalb ich in diesen 10 Jahren immer gebloggt habe (wenn auch in unterschiedlicher Frequenz), ist, dass man sich schon mal ein, zwei Stunden hinsetzen und über ein Thema nachdenken muss, bevor man es veröffentlicht. Das ist definitiv anders als auf Facebook oder Twitter, wo Links und Meinungen so schnell gefasst und rausgeblasen wie sie anschließend wieder vergessen sind. Wenn man nicht gerade Jan Böhmermann ist und ein Buch mit historischen Tweets veröffentlicht, kümmert keinen das Getwitter von gestern. Im Blog ist das anders: Manche Beiträge werden auch nach Jahren noch ordentlich geklickt, weil Google der Meinung ist, sie seien es wert. Und auch ohne Google und Langzeitwirkung: Was im Blog veröffentlicht ist, stellt sich der öffentlichen Diskussion und Kritik, das sollte schon halbwegs Hand und Fuß haben, finde ich.

Apropos Diskussion: Das ist des Bloggers Freud und Leid gleichermaßen. Nicht wenige Blogs haben ihre Kommentarfunktion abgeklemmt, in vielen müssen Kommentare erst freigeschaltet werden … Das gab’s hier nie, aber ich war ein paar Mal kurz davor. Über Kommentare hier sind spannende Diskussionen entstanden, oft habe ich etwas dazugelernt und wurde auf andere Sichtweisen aufmerksam. Allzu oft haben sich aber auch – Entschuldigung – grenzdebile Vollidioten hierher verirrt, denen man dann Aufmerksamkeit und Zeit widmen muss, weil sie ihre halbgaren Gedanken nicht für sich behalten können, sondern der Welt mitteilen zu müssen glauben. In 10 Jahren durchläuft man da eine erhebliche Lern- und Leidenskurve.

Ansonsten fällt es schwer, aus 10 Jahren Highlights herauszupicken, und das wäre ja auch unsinnig, denn Blogs waren und bleiben doch so eine Art von Tagebuch, die von der Aktualität leben. Der letzte Beitrag ist immer der relevanteste, zumindest für mich.

Noch ein wenig Statistik? Bitteschön: 590 Beiträge habe ich in diesen 10 Jahren publiziert, 5.500 Kommentare wurden von euch geschrieben und veröffentlicht, 240.000 Spam-Kommentare hat die wunderbare Software hinter diesem Blog weggefiltert und ins Nirwana geschickt. Die Zahl der Besucher, die hier etwas gelesen haben, ist siebenstellig. Vielen Dank fürs Vorbeischauen!

Na dann, weiter geht’s. Nochmal 10 Jahre? Keine Ahnung, für solche Prognosen ist das Leben und die Entwicklung der digitalen Medien doch etwas zu volatil. Aber ein paar Beiträge werde ich schon noch schreiben, glaube ich. Bis die Tage!

15 Gedanken zu “10 Jahre Blog

  1. 10 Jahre. Wow. Da wird es auch Zeit, danke zu sagen. Ich verfolge Deine Blogeinträge nicht von Anfang an, aber doch schon seit einigen Jahren. Es ist nie langweilig, ich habe einiges gelernt und ich liebe Deine Homöopathie-Beiträge. Weiß gar nicht, wie vielen Leuten ich die schon geschickt habe :-) Also bitte, weitermachen, solange es Spaß macht!

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  2. Lieber Herr Buggisch, ich gratuliere und freue mich auf weitere interessante und vor allem wohltuend korrekt geschriebene Beiträge von Ihnen. Was ich nicht verstehe, das ist der Podcast-Hype, den Sie erwähnen. Podcast zu hören kostet doch viel zu viel Zeit, lesen geht schneller. Aber vielleicht lassen sich Podcast schneller erstellen, als gescheite Artikel schreiben lassen. Dann wären wir wieder beim Hoppla-Hopp-Zeitgeist. Bleiben Sie gesund und munter!

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    • Lieber Herr Rudolf, erst mal vielen Dank! Und was die Podcasts angeht: Nein, die sind eher nicht Hoppla-Hopp und tendenziell sicher noch aufwändiger als so ein Blogbeitrag. Die müssen ebenfalls vorbereitet werden und brauchen dann auch noch eine technische Nachbereitung (Schnitt etc.). Der Hype kommt sicher daher, dass die Technik zur Produktion deutlich einfacher und verfügbarer ist als früher, aber vor allem auch der Konsum ist deutlich einfacher. Dank Spotify, Apple & Co kann man wirklich ganz einfach überall alles anhören, und zwar unabhängig vom Zeitplan eines Senders. Für mich gibt es Situationen und Zeitscheiben, in denen nur Podcasts in Frage kommen, daher konkurrieren sie bei mir auch gar nicht mit anderen Inhalten: vor allem beim Autofahren, das war vor Corona meine Podcast-Zeit Nummer 1; und inzwischen beim Spazierengehen mit dem Hund (Nummer 1 während Corona). Da kann ich nichts lesen und ansehen, aber wunderbar anhören …

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  3. Lieber Christian!
    Gratuliere zu 10 Jahren Blog-Input, Durchhalten im Diskutieren, zum Finden immer neuer/anderer Themen, zu manchem Trigger-Beitrag (mein persönlicher natürlich ;-)), zu gut formulierten und fundierten Texten – zum immer wieder Aufschreiben deiner Gedanken!
    Meine Mama lehrte mich, „diskutieren lernst du nur, wenn jemand eine andere Meinung hat“ – damit haben auch die „grenzdebile Vollidioten“ einen Verwendungszweck ;-)
    Ich freue mich auf noch viele interessante Blogbeiträge von dir!

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  4. Ich könnte jetzt ja sagen: „Kackblag“, weil ich noch einige Jährchen länger blogge (genauer seit 21.4.2007 um 03:05 Uhr).. :-)
    Neee, mach ich aber nicht. Im Gegenteil – ich beglückwünsche Dich dazu 10 Jahre durchgehalten zu haben. Ich denke dem Internet würde sehr viel fehlen wenn wir Blogger nicht qualitativ hochwertigeren Content (und nicht den nur auf Klickzahlen reduzierten „Friede, Freude Eierkuchen und vergiss nicht hochzuswipen um 10% Rabatt auf die Scheisse dich ich dir aufschwatzen will“- Influencer Krampf) liefern würden.
    In einem Internet, in dem immer alles oberflächlicher, verlogener, betrügerischer wird, sind wir quasi noch so etwas wie der Baum der Erkenntniss, die Liga der Gerechtigkeit, die Agents of S.H.I.E.L.D., die Avengers der wahren Worte – naja.. auf jeden Fall irgendwie Superhelden..
    So genug geschwafelt – jetzt werf Dir dein Cape über und rette ein paar wankelmütige Seelen vor minderwertigem Internet-Content.. ;-)
    Beste Grüße und auf die nächsten 10!

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  5. Hallo Christian,
    danke und Respekt für Deine zehn Jahre in der Blogger-Welt.
    Deine Beiträge zu digitalen Themen schätze ich ebenso wie die kulinarischen Ausflüge und Aufnahmen in Franken und Umgebung.
    Selber bin ich gerade fünf Jahre bei wordpress unterwegs und erlebe verschiedene Entwicklungen. Nach der Datenschutz-Geschichte vor einiger Zeit haben sich einige Teilnehmer:innen abgemeldet, sich in private Blogs zurückgezogen usw.
    Schau mer mal, wie’s weiter geht. Dazu alle guten Wünsche
    und schöne Grüße
    Bernd

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  6. Lieber Christian,
    verdammt lange Zeit. 10 Jahre! Gefühlt bin ich von Anfang an dabei. Aber ich kann mich nicht erinnern 500 Beiträge gelesen zu haben. Vielleicht 50? Das kann nur bedeuten, dass Du zu Beginn mehrere Beiträge pro Tag geschrieben haben musst 😉
    Ich habe dieses Jahr auch das Zehnjährige Jubiläum erreicht. Mit stetig sinkender Veröffentlichungsfrequenz aber mit konstanter Lesefrequenz bei Dir.
    In etwa 90% der Fälle bin ich – manchmal für mich selbst überraschend – einer Meinung mit Dir. Beim Rest habe ich bisweilen die Kapazitätsgrenzen der Kommentarfunktion ausgelotet 😊
    Ich freue mich auf jeden Fall, dass Du, wenn auch weniger, immer noch schreibst.
    In diesem Sinne alles Gute!

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  7. Herzlichen Dank lieber Christian für 10 Jahre anregende Lektüre. Und so wohltuend überlegt. Freue mich auf die Beiträge, die noch kommen,

    Liebe Grüße
    Christian

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  8. Dieser den Menschen zugewandte, am Irrsinn verzweifelnde, pragmatische und doch irgendwo stets liebevolle Blick auf die Dinge, in schöne Worte gekleidet – eine echte Bereicherung und immer wieder eine kurzweilige Lektüre. Danke dafür, auch wenn ich erst seit einem guten Jahr mit dabei bin. Und tiefen Respekt vor der Dekade! Herzlichen Glückwunsch. Weiter so!

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  9. Hallo Herr Buggisch, zehn Jahre Blog-Kontinuität sind Anerkennung wert. Die von Ihnen genannten Zahlen sprechen für Sie. Nun habe ich bei Weitem nicht alle Ihre Beiträge gelesen, geschweige denn akut verinnerlicht. Aber Zweierlei möchte ich hier doch im Grundsatz (positiv) erwähnt haben: 1. Orthografie: Eins, mit * Das will etwas heißen, wo doch nunmehr (vermehrt) wirr in Kürzeln kommuniziert wird und Groß- vs. Kleinschreibung, volkswirtschaftlich gedeutet, zum „Peanut“ mutiert. Über das Setzen von Kommata korrekt oder überhaupt mag ich gar nicht erst sprechen. 2. Ausdruck: Nix Buzzword Bashing, wenig Floskeln oder Endlos-Schachtelsätze im Bürokratensprech. Chapeau!

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