Keine Statistik

Gute Daten sind Gold wert. Sie liefern Erkenntnisse und sind das Fundament für evidenzbasierte Entscheidungen. Manchmal sind sie wahnsinnig wichtig – und manchmal verzichtbar …

Wahnsinnig wichtig zum Beispiel in einer Pandemie. Um so trauriger ist es, dass wir in Deutschland immer noch im Daten-Nebel stochern, was Corona-Zahlen angeht. Tun wir einen Moment lang so, als würden wir nach zwei Jahren Pandemie den Daten wirklich glauben. Dann müssten wir uns ernsthaft darüber Gedanken machen, warum die Inzidenz am Montag immer viel niedriger ist als am Donnerstag. Was ist das nur für ein merkwürdiges Wochentags-Virus? Und natürlich müssten wir die Maßnahmen danach ausrichten: montags Freedom Day, donnerstags Lockdown.

Absurd, natürlich. Absurd aber nur, weil wir Daten mühsam und per Hand von links nach rechts schaufeln. Nix Digitalisierung, nix Automatisierung. Nach zwei Jahren bereits ein Running Gag am Jahresende: der Hinweis des RKI, dass die Zahlen über die Feiertage nicht belastbar sind. Klar, von Weihnachten bis Mitte Januar wissen wir halt noch weniger, wo wir stehen. Und endgültig absurd wird das ganze Zahlenspiel, wenn Karl Lauterbach erklärt, die Inzidenz sei angesichts der Omikron-Ausbreitung wohl dreimal so hoch wie vom RKI angegeben. Ja nun.

Das Ende der Pandemie im Jahr 2022 (nein, kein Übermut, ich glaube und hoffe nur, dass Drosten wie immer Recht hat) werden wir also mehr erahnen als messen können.

Social Media Statistik

Andere Daten hingegen haben über die Jahre an Bedeutung verloren – und dazu gehört die Statistik der Social Media Nutzerzahlen, die ich euch in den letzten zehn (!) Jahren hier immer am Jahresanfang zur Verfügung gestellt habe. Das kann ich objektiv und datenbasiert schon daran messen, dass euch diese Zahlen nicht mehr sehr interessieren. Während der Blogbeitrag zu den Zahlen im Jahr 2016 sage und schreibe 60.000 mal aufgerufen wurde, wurde der entsprechende Beitrag 2021 nur noch knapp 5.000 mal gelesen. Ein weiteres Indiz: Die Zahl der Studien zum Thema ist gefühlt deutlich gesunken. Die Plattformbetreiber geizen ohnehin mit Zahlen für Deutschland, das konnte man früher aber durch alle möglichen Befragungen ausgleichen. Heute gibt es eigentlich nur noch die ARD/ZDF-Onlinestudie, ohne die wüssten wir wenig bis gar nichts.

Das schwindende Interesse finde ich nachvollziehbar, denn die Zahlen haben sich in den letzten Jahren kaum noch bemerkenswert verändert. LinkedIn und Xing gewannen jedes Jahr eine Millionen Nutzer dazu, Facebook und Twitter blieben über die Jahre stabil und so weiter. Die Social Media Landschaft ist momentan einfach ziemlich unaufregend, die üblichen Verdächtigen haben sich etabliert. Ein paar Sternschnuppen wie Clubhouse verglühen so schnell, dass man mit einer Jahres-Statistik eh nicht mehr hinterher kommt.

Aus all diesen Gründen: keine Statistik mehr am Jahresanfang.

Blickt man ein wenig nostalgisch zurück auf die Berichte der letzten zehn Jahre, haben wir hier immerhin ein paar tolle Veränderungen erlebt und festgehalten. Das Ende von meinVZ zum Beispiel, das 2012 schon auf einem stark absteigenden Ast war, aber noch messbar vorhanden und daher auch hier in der Statistik vertreten. Instagram und Pinterest tauchten hier 2013 als zart wachsende Social Media Pflänzchen erstmals auf. 2014 erstmals der Auftritt von WhatsApp und damit der Beginn des Siegeszugs der Messenger. 2017 verabschiedeten wir uns hier von Foursquare und 2019 von Google+, vielleicht das prominenteste Opfer unter den gescheiterten Social Media Plattformen.

Das Aufkommen der Messenger, neue Plattformen wie Snapchat und die Etablierung von Twitter im (medien-)politischen Alltag haben übrigens auch dazu geführt, dass relevante statistische Betrachtungszeiträume heute andere sind also vor zehn Jahren. Damals dominierte klar der MAU, der monthly active user, als Standard. Heute interessiert sich kaum noch einer für ihn, aussagekräftiger sind wöchentlich, besser noch täglich aktive Nutzer.

Wie dem auch sei … Falls ihr nochmal in alten Erinnerungen schwelgen wollt: Hier sind die Beiträge der Jahre 2021, 202020192018201720162015201420132012.

5 Gedanken zu “Keine Statistik

  1. Hallo Christian Buggisch, nachvollziehbare Entscheidung. Und sie zeigt auch den Wandel, der in den Social Media in den letzten 10-12 Jahren 2010 stattgefunden hat.
    Danke für das jährliche Update (und die damit verbundene Mühe), das auch ich immer wieder geschätzt habe.
    Viele Grüße
    Johannes Lenz

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  2. Schade, die Statistik hätte mich interessiert. Also muss ich mich selbst auf den Weg machen und ARD/ZDF konsultieren.
    Mich hätte z. B. interessiert, ob TikTok inzwischen auch von der Eltern Generation gekapert wurde. 😉 Vielen Dank für die bisherige Mühe.

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