Ihr guten Menschen

So, nun sind sie ausgezogen, unsere Gäste aus der Ukraine. Nachdem sie ungefähr vier Monate bei uns verbracht haben, wohnen sie jetzt in den eigenen vier Wänden …

Und dass das so gut geklappt hat, dafür seid unter anderem ihr verantwortlich. Vor einigen Wochen hatte ich hier „Hilfe!“ gerufen – und ihr habt geholfen. Vielleicht war das ein bisschen blauäugig von mir, einfach mal so ins Internet zu fragen, ob jemand dabei helfen will, die Wohnung einzurichten und Starthilfe zu geben. Ob sich überhaupt jemand beteiligen würde? Keine Ahnung, ich hatte so was noch nie gemacht.

Heute bin ich schlauer: Mehr als 50 Menschen haben geholfen, viele Bekannte und einige gänzlich Unbekannte, die meisten durch große und kleine Geldspenden, einige aber auch durch Sachspenden, und so haben wir wirklich alles zusammenbekommen bzw. konnten anschaffen, was für den Neustart nötig ist. Eine Küche inklusive aller Elektrogeräte aus einer Wohnungsauflösung, Waschmaschine (ich habe gelernt, dass nicht wenige von euch eine zweite Waschmaschine im Keller stehen haben, die nicht gebraucht wird), Betten, Schränke, Esstisch mit Eckbank und Stühlen, ein wenig Elektronik, Geschirr, uns so weiter und so fort.

Wir mussten dann nur noch wie die Weltmeister durch die Gegend fahren und alle möglichen Dinge von A nach B transportieren.

Dank einer großzügigen Spende durch die Belegschaftshilfe von DATEV konnten wir außerdem die drei ersten Monatsmieten übernehmen, was wirklich gut ist, da es einfach eine Weile gedauert hat, bis die ersten Löhne unserer inzwischen arbeitenden Gäste auf deren Konten gelandet sind und der finanzielle Puffer groß genug ist, dass man sich nicht dauernd Sorgen machen muss, ob man sich die Wohnung überhaupt leisten kann.

Für all das sind wir, aber vor allem unsere Gäste wahnsinnig dankbar. „Noch vor kurzem hatten wir nichts, jetzt haben wir so viel“, sagten sie. Und das, obwohl sie wirklich ungern Geld annehmen und sich eigentlich alles selbst erarbeiten wollen. Die kleine Spendenaktion hat mir aber die perfekte Ausrede beschert: Sorry, Leute, das Geld ist jetzt da und ich muss es für euch ausgeben. Ich kann’s nicht behalten, das geht nicht. Also, was braucht ihr?!

Bei uns zu Hause kehrt nun wieder Ruhe ein. Aus dem Gästezimmer wird wieder ein Homeoffice werden, und das ist auch ok so. Das Leben geht weiter und wir sind gespannt, wo es „unsere“ Ukrainer hinführt, ob sie für immer hier bleiben oder irgendwann wieder zurück gehen. Dass wir in Kontakt bleiben, steht außer Frage, denn irgendwie sind sie nun Teil der Familie – und wir offenbar Teil der ihren: Demnächst ist Taufe des kleinen Neffen, wir sind eingeladen und freuen uns schon darauf …

5 Gedanken zu “Ihr guten Menschen

  1. Hallo Christian,

    es ist völlig egal, ob die Sanktionen Russland schaden, oder vielleicht eher wir uns.

    Wir sind Menschen, und müssen menschlich bleiben – und versuchen, wann immer es irgendwie möglich ist (leider geht es nicht immer), anderen zu helfen. Dabei ist es ganz egal, wer die anderen sind, und woher sie kommen. Denn wenn wir anderen helfen, helfen wir auch uns selbst – und wenn es nur das gut Gefühl ist, etwas wirklich Gutes getan zu haben.

    Du/ihr habt alle genau das Richtige gemacht. Nämlich den Leuten zu helfen, die Hilfe brauchen. Auch wenn sie ungerne Hilfe annehmen. Man muss sich helfen lassen, um dann auch wieder andere Menschen helfen zu können.

    Was ihr gemacht habt, baut auch mich auf. Es zeigt; es gibt noch immer – und das ist sehr gut – viele Menschen, welche die Möglichkeit haben – und diese auch nutzen – anderen Menschen zu helfen.

    Ich wünsche allen hier eine wunderbare neue Woche

    VG, Jürgen

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