Bergseen und Bordsteinkanten

Hat jemand gesagt, das Leben sei einfach? Es gibt – natürlich, wie banal – Höhen und Tiefen. Überall lauern Glücksmomente und Gefahren …

Und nachdem das Jahr langsam, aber sicher seinen Zenit überschritten hat, kann man sagen: Es hat sich alle Mühe gegeben, uns nicht zu langweilen. Jede Menge Höhen und Tiefen auf allen Ebenen.

Poltisch zum Beispiel dieser wahnsinnige Krieg, ein scheinbar aus der Zeit gefallenes Monstrum imperialer Machtdemonstration. Das dritte Corona-Jahr, in dem nun wirklich fast jeder Erfahrungen mit Covid sammeln durfte, Ausgang ungewiss. Ein nicht nur stimmungsmäßig kühler Winter im Anmarsch mit Frontenbildungen quer durch die Gesellschaften und immer sichtbarer werdender Misanthropie im Netz.

Persönlich ein unfallträchtiges Jahr. Zunächst mein erbärmlicher Versuch im letzten Herbst, eine Katze nicht zu überfahren. Das Ereignis darf ins Panoptikum des Jahres 2022 aufgenommen werden, da es mich noch monatelang beschäftigt hat (Physiotherapie, der Versuch, Beweglichkeit und Kraft wieder herzustellen) und beschäftigen wird (Anfang September kommt das Metall wieder raus, es ist mir dann doch noch gelungen, den Stau am OP-Tisch zu umgehen und einen Chirurgen mit freiem Zeitslot zu finden – danke übrigens für die zahlreichen persönlichen Nachrichten mit Unterstützungs- und Beziehungen-spielen-lassen-Angeboten!).

Und vor Kurzem das physikalische Experiment von Kind Nummer 3, einen E-Scooter gegen einen hohen Bordstein zu lenken. Service-Tipp für die Leser dieses Blogs: Lieber nicht nachmachen. Nicht gut. Schmerzhaft. Klinikaufenthalt inklusive. Seid vorsichtig mit diesen Rollern. Und tragt beim Fahrradfahren natürlich immer einen Helm, ist klar, oder?

Und doch, um mal zur Habenseite zu kommen: Es ist alles nochmal gut gegangen. Wenn man mit ordentlichem Tempo durch die Gegend fliegt und mit Oberarm, Kopf und anderen Körperteilen bremst, kann einfach viel Schlimmeres passieren. Mehr Glück und moderne Medizin als Verstand, könnte man sagen.

Glücksgefühle hielt das Jahr dann spätestens bei den Feierlichkeiten rund um meinen 50. Geburtstag bereit. Nicht dass einen das Erreichen dieses nahezu biblischen Alters per se glücklich macht. Aber wir haben wirklich schön gefeiert, mit freundlichen Menschen. Und einen sensationell schönen Urlaub im Allgäu verbracht. Den Geburtstag selbst, wie es sich gehört, tags auf einem Berg, abends an einer reich gedeckten Tafel.

Noch ein Service-Tipp für die Blog-Leser: Glücksmomente lassen sich herbeizaubern, wenn man erst sehr mühsam einen hohen Berg raufsteigt und sich dann in einem malerischen kleinen Bergsee abkühlt. Für euch getestet im Schrecksee, dem Gaisalpsee und dem Seealpsee. 

Nun gut, schauen wir, was uns das Jahr noch so bringt. Ich wünsche uns allen viel Bergsee und wenig Bordsteinkante.

2 Gedanken zu “Bergseen und Bordsteinkanten

  1. Hallo Christian,
    alle guten Wünsche zum Fünfzigsten, die ich gerne mit einem Auszug aus Platons Politeia anreichern und würzen mag:

    „… Haben sie aber fünfzig erreicht, dann muß man, die sich gut gehalten und überall vorzüglich gezeigt hatten in Geschäften und Wissenschaften, endlich zum Ziel führen und sie nötigen das Auge der Seele aufwärts richtend in das Allen Licht bringende hineinzuschauen, und wenn sie das Gute selbst gesehn haben, dieses als Urbild gebrauchend den Staat ihre Mitbürger und sich selbst ihr übriges Leben hindurch in Ordnung zu halten, jeder in seiner Reihe, so daß sie die meiste Zeit der Philosophie widmen, jeder aber, wenn die Reihe ihn trifft, sich mit den öffentlichen Angelegenheiten abmühe und dem Staat zu Liebe die Regierung übernehme, nicht als verrichteten sie dadurch etwas schönes, sondern etwas notwendiges. Und so mögen sie denn, nachdem sie Andere immer wieder eben so erzogen und dem Staat andere solche Hüter an ihrer Stelle zurückgelassen, die Inseln der Seligen bewohnen gehn. Denkmäler aber und Opfer wird ihnen der Staat, wenn auch die Pythia damit einverstanden ist, öffentlich darbringen als guten Dämonen, wo nicht doch als seligen und göttlichen Menschen. – Vortrefflich, o Sokrates, sagte er, hast du uns die Herrscher wie ein Bildner dargestellt. – Und auch Herrscherinnen, sprach ich, o Glaukon. Denn glaube ja nicht, daß was ich gesagt, ich von Männern mehr gemeint habe als von Frauen, so viele sich von tüchtiger Natur darunter befinden. – Richtig, sagte er, wenn sie ja gleichen Teil an allem haben sollen mit den Männern wie wir ausgeführt haben. – Und gibst du zu, daß, was wir von diesem Staat und seiner Verfassung gesagt haben, nicht bloß fromme Wünsche sind, sondern schweres zwar aber doch irgendwie möglich, nur auf keine andere Weise als gesagt wurde, wenn wahrhafte Philosophen, die – einer oder mehrere – zur Obergewalt im Staat gelangt sind, mit Verachtung der jetzigen Vorzüge, weil sie diese für unedel und nichts wert halten, das Richtige, und die von diesem ausgehenden Vorzüge allein hochachten, für das allergrößte und notwendigste aber das Gerechte, und diesem dienend und es befördernd zur Einrichtung ihres Staates schreiten.“

    Hier abgekupfert aus:
    https://www.projekt-gutenberg.org/platon/platowr3/staat07.html

    Vielen Dank für Deine langjährigen vielfältigen Beiträge im Blog,
    Gesundheit, Frohsinn und Wohlergehen
    mit herzlichen Grüßen
    Bernd

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