Start ins Jahr

Zum ersten Mal seit Menschengedenken waren wir an Silvester nicht zu Hause …

Das hatte einen guten Grund: Die Kinder sind weitgehend aus dem Haus und hatten anderes vor. Die Nachbarn haben sich in die Dominikanische Republik abgesetzt. Also beschlossen wir auch, das Weite zu suchen, packten den Hund ins Auto und verbrachten ein paar Tage in der Nähe von Augsburg.

An das Konzept könnte ich mich gewöhnen. Man muss vorher nichts vorbereiten und hinterher nichts aufräumen. Wir spazierten eine große Runde am Ammersee und rauf zum Kloster Andechs, wo wir uns im Biergarten zwar nicht wie in der Dominikanischen Republik, aber doch immerhin wie im schönsten deutschen Frühling fühlten. Wir bekamen ein wunderbares Silvestermenü serviert. Lediglich um Mitternacht wurde es etwas einsam, denn der Hund hatte, wen wundert‘s, überhaupt keinen Spaß am Feuerwerk. Wir mussten also Fenster und Türen schließen und hörten und sahen vom Jahreswechsel eher – nichts.

Vorteilhaft das Ganze auch für den Neujahrstag. Es gab deutlich weniger Alkohol als sonst, entsprechend war ich deutlich fitter als sonst. Wir spazierten wieder eine große Runde, diesmal an einer Stau-Stufe des Lechs. Und dann schauten wir noch in Freising vorbei, denn im dortigen Dommuseum kann man zurzeit ein Gemälde von Caravaggio bestaunen – und für Caravaggio fahre ich auch weiter als bis nach Freising. Ein Blick auf Medusas Antlitz, einige Minuten Bewunderung für diesen wunderbaren abgeschlagenen Kopf – ganz schön gewagt und morbid für einen Start ins Jahr.

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Ältere Menschen wie ich haben mindestens einen Beweis für ihr maximal un-digitales Vorleben zu Hause rumstehen: einen dicken Aktenordner mit Lohn- und Gehaltsabrechnungen auf Papier, die schön langsam vergilben und muffig werden. Muss man natürlich aufheben. Für die Rente. Oder so.

Schnitt, wir blenden über zu einem jungen Menschen der Gen Z im Jahr 2023: Sohn Nummer 2 hat einen neuen Job als Werkstudent. Sein Arbeitgeber stellt ihm die Lohn- und Gehaltsabrechnungen digital im Portal „Arbeitnehmer online“ zur Verfügung. Zufällig ein DATEV-Produkt, weshalb ich neugierig war, wie der Onboarding-Prozess abläuft.

Der Sohn klappt also sein Notebook auf, die Finger fliegen über die Tastatur in einem Tempo, dass ich kaum mitkomme (gut er studiert Informatik), Copy & Paste von einem Code hier, sicheres Passwort mittels App generiert dort … Lange Rede kurzer Sinn: Innerhalb von 5 Minuten war alles erledigt, Registrierung, Authentifizierung, Anmeldung, digitale Dokumente anschauen, fertig.

Hat mich dreifach gefreut – für mich und „meine“ DATEV, die hier ein cooles Produkt anbietet, für den Sohn, der nie einen muffigen Ordner rumstehen haben wird, und irgendwie auch für die Digitalisierung in diesem Land, bei der es viel zu meckern gibt, aber das ist mal ein kleiner Baustein, der gut funktioniert …

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Apropos Digitalisierung. Da gibt es ja noch dieses Internet mit seinen Chancen und Risiken. In diesem Zusammenhang zwei Podcast-Empfehlungen, beide haben wir in den letzten Tagen gehört. Da ist zum einen die neue Staffel von „Cui Bono“ mit dem Titel „Wer hat Angst vorm Drachenlord“. Diesen YouTuber „Drachenlord“ hatte ich bislang nur peripher wahrgenommen und vor allem deshalb, weil er nicht weit von hier in Mittelfranken wohnt(e) und die lokale Presse gelegentlich über ihn und die Ausschreitungen bei ihm vor Ort berichtete. Es ist eine traurige Geschichte mit vielen Facetten. Im Kern aber ist es eine Geschichte über das Schlechte im Menschen, über Hass, Hetzte und (Cyber-)Mobbing, über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten digitaler Kommunikation. Kein Vergnügen, das anzuhören, aber sehr lehrreich.

Zum anderen der „Alles gesagt“ Podcast der ZEIT mit Sascha Lobo (der nebenbei erwähnt auch einen lesenswerten Artikel zum Drachenlord geschrieben hat). Dieser Podcast dauert ja potenziell ewig, denn der Gast entscheidet, wann es genug ist – in diesem Fall nach über sechs Stunden. Lobo ist, wie wir alle wissen, klug, eloquent und sehr kenntnisreich nicht nur in Fragen der Digitalisierung, daher kann man hier jede Menge lernen und wird dabei zudem gut unterhalten.

Beide Podcasts findet ihr überall, wo es gute Podcasts gibt.

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