Ich schaue mir die Top 100-Filme aus der Internet Movie Database an, sortiert nach Nutzerbewertungen. Auf Platz 67: dieser Film von Miloš Forman aus dem Jahr 1984 …
Worum geht’s?
Im Wien des Jahres 1823 blickt der Komponist Antonio Salieri auf vergangene Zeiten zurück, als Wolfgang Amadeus Mozart aus Salzburg an den Hof von Kaiser Joseph II. kam und Wien und die Welt für einige Jahre mit der wunderbarsten Musik beglückte. Salieris Blick darauf ist allerdings der eines Neiders, der stets darunter litt, dem Genie künstlerisch unterlegen zu sein, und der daher alles daran setzte, seinen Erfolg zu verhindern. Das führte Mozart letztlich in den frühen Tod und Salieri in die Irrenanstalt …
Warum sehenswert?
Obwohl ich den Film schon sehr lange nicht mehr gesehen hatte, hatte ich ihn noch in guter Erinnerung, und das spricht sicher für ihn. Die Kombination aus Mozarts Musik und der düsteren Geschichte hatte sich mir eingeprägt. Mein Urteil fällt heute nach dem Wiedersehen allerdings zwiespältig aus.
Einerseits ist das immer noch ein Spektakel. Man kann sich leicht vorstellen, dass Filme über Komponisten, die vor über 200 Jahren gestorben sind, dröge Historienschinken sein können, die niemanden hinterm Klavier hervorlocken. Das hier ist das Gegenteil. Die Rahmenhandlung mit dem greisen, boshaften Salieri als Erzähler ordnet die Ereignisse ein, ohne zu langweilen.
Und Mozart ist eine Knalltüte von Figur: genial, derb, witzig, ganz und gar nicht für die vornehme Gesellschaft Wiens gemacht und so weit weg von einer überhöhten Künstlerfigur wie es nur möglich ist. Mozart, der verrückte Lausbub von nebenan – das kontrastiert nicht nur mit seinem strengen, den Konventionen verhafteten Widersacher Salieri, das kontrastiert auch mit der himmlischen Musik, die der Film geschickt in Szene setzt. Die keifende Schwiegermutter wird zur Königin der Nacht, der strenge Vater Leopold zum Komtur aus Don Giovanni. Und immer wieder, wenn etwa Salieri ein Notenblatt Mozarts in die Hand nimmt und liest, hören wir die Töne, die für ihn neu sind und für uns die Jahrhunderte überdauert haben.
Sehr hübsch auch die Karrikatur der höfischen Gesellschaft. Kaiser Joseph II. ist ein rührend einfältiger Trottel, dessen armseliges Klavierspiel seine heuchlerische Entourage zu Begeisterungsstürmen bewegt.
Andererseits schafft der Film, der mit dem Klischee des gottgleichen Künstlers so gründlich aufräumt, jede Menge neue Klischees, die mir in ihrer Holzschnitthaftigkeit beim heutigen Sehen ein wenig auf die Nerven gegangen sind. Mozart, der ewig pubertierende Hallodri mit Vaterkomplex, dem die Kompositionen nur so zufliegen; und Salieri, der diabolisch-wahnsinnige Intrigant, dessen Neid so groß ist wie sein Talent gering. Das ist sehr dick aufgetragen und hat natürlich, kaum nötig das zu erwähnen, rein gar nichts mit der historischen Wirklichkeit zu tun. Selbst das oben erwähnte Spiel mit Mozarts Musik wandelt auf einem schmalen Grat und droht zum Effekt zu werden.
Trotzdem, ein kurzweiliger Film, der seinerzeit acht Oscars gewonnen hat.
Wo erhältlich?
Bei Amazon & Co für kleines Geld zu leihen oder zu kaufen.
Weitere Infos
Hier findet ihr nach und nach alle Filme aus der IMDb Top 100-Liste, die ich gesehen habe.
Meinungen zum Film? Gern in die Kommentare!
Ich war damals ganz besoffen von dem Film. Entsprechend groß ist jetzt mein Kater.
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