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Facebook vs. Blog – das Duell

Facebook vs Blog - das Duell

In seiner Blogparade “Facebook ist nicht das Internet” fragt David Stingl, wie und warum man Facebook nutzt und ob Blogs in Zeiten von Facebook noch sinnvoll oder nötig sind. Hier meine Antwort …

Kurz gesagt hat natürlich beides seine Berechtigung. Und so wie ich Facebook und Blog(s) nutze, kommen sich die beiden auch kaum in die Quere. Sehen wir uns also das Duell Facebook vs. Blog etwas genauer an und schauen, wer sich wo durchsetzen kann!

1. Reichweite

FacebookIch bin mit der Reichweite meines Blogs durchaus zufrieden, ich habe monatlich mehrere Tausend Besucher, die fleißig lesen und von denen nicht wenige kommentieren und mitdiskutieren. Man muss aber auch klar sagen: Nach Google ist Facebook mein wichtigster Traffic-Lieferant. Die Suchmaschine ist dabei unangefochtene Traffic-Maschine Nummer 1, sie liefert etwa doppelt so viele Leser wie Facebook. Nach Facebook kommt aber lange nichts, über das Netzwerk kommen beispielsweise sechsmal mehr Leser auf mein Blog als über Twitter. Im Vergleich dazu ist die Zahl der Leser, die ich unmittelbar via Blog erreiche, weil sie mich per RSS, Mail oder innerhalb von WordPress abonniert haben, gering.

Natürlich ist Traffic und Reichweite nicht alles und ich mag Klasse statt Masse. Aber wenn ich über Facebook neue Leser gewinnen und vielleicht an dieses Blog binden kann, habe ich nichts dagegen einzuwenden. Der Punkt geht an Facebook.

2. Verlässlichkeit

BlogMy Blog is my castle, hier bin ich Hausherr, bestimme die Inhalte, moderiere die Diskussionen und sage, wo’s lang geht. Das kann man von Facebook beim besten Willen nicht behaupten. Was wem angezeigt wird, regelt der Edgerank, und zwar intransparent und nach Gutdünken von Facebook – darüber habe ich mich ja in anderen Beiträgen schon hinreichend aufgeregt bzw. das ganze Thema intensiv diskutiert. Daher folge ich generell allem, was mir wichtig ist, etwa zahlreichen anderen Blogs, über RSS-Feeds. Facebook taugt leider nichts, wenn man selbstbestimmt agieren und selbst regeln will, was man auf keinen Fall verpassen darf und was nicht so wichtig ist. Facebook ist ganz klar Nebenbei-Kommunikation. Ein “Komm ich heut nicht, komm ich morgen”-Portal. Eine “Schaun mer mal”-Plattform.

Daher, um nochmal auf das Thema der Blogparade zurückzukommen, ist Facebook auch ganz sicher niemals “das Internet”. Bei allem Respekt vor der Leistung Marc Zuckerbergs, eine Milliarde Menschen in sein Netzwerk zu ziehen, ist der Gedanke, das Internet nur noch durch eine Facebook-Brille wahrzunehmen, grotesk und ein bisschen beängstigend.

3. Relevanz

BlogNatürlich sind die Inhalte in meinem Blog super-relevant ;-) Ebenso in den anderen Blogs, die ich regelmäßig lese. Allerdings habe ich mich, seit ich auf Twitter bin, gegen den Standard-Vorwurf gewehrt, das ganze Gezwitscher sei doch völlig irrelevant, und geantwortet: Jeder ist für die Relevanz seiner Timeline selbst verantwortlich. Und das gilt natürlich auch für Facebook. Wer Fan von 1.000 Unternehmen ist, weil er dauernd bei irgendwelchen Gewinnspielen mitmacht, und mit 2.000 Menschen “befreundet” ist, möge bitte nicht über eine zugemüllte Timeline jammern.

Der “Relevanz”-Punkt geht trotzdem an die Blogs, aus einem einfachen Grund: Facebook unterbricht unsere Timeline immer öfter mit Werbung. Das ist ok, weil Facebook Geld verdienen muss, das nervt aber auch gewaltig, da die Werbung im Vergleich zu den restlichen Inhalten immer dominanter wird – und hochgradig irrelevant ist. Gerade Letzteres ist ärgerlich und ernüchternd. Facebook sitzt auf einer Goldgrube von Nutzerdaten. Und dennoch sieht personalisierte, “maßgeschneiderte” Werbung bei Facebook so aus, dass Frauen Schuhe und älteren Männern Inkontinenzprodukte angeboten werden. Na, servus …

4. Vernetzung

FacebookJa, ich habe über mein Blog neue Leute kennen gelernt und bleibe mit ihnen in Verbindung. Aber natürlich hat eine Content-Drehscheibe wie ein Blog gegen ein Social Network keine Chance, wenn es darum geht, sich mit anderen zu vernetzen. Ist ja auch gar nicht seine Aufgabe.

Das ist für mich der große, zentrale Mehrwert von Facebook: dass ich mit Menschen locker in Verbindung bleiben kann, von denen ich sonst wenig oder nichts mehr hören würde. Dank Facebook sehe ich, wie der erste Schultag meiner Nichten in Australien war, erfahre, welchen Wein meine Freunde empfehlen, und lese, welche Themen meine Kollegen gerade diskutieren. Das kann man auch auf Twitter, Google+ oder Xing tun, aber dank der 1 Milliarde Nutzer weltweit und der 25 Millionen Nutzer in Deutschland geht das auf Facebook nun mal am besten.

Also: unentschieden. Oder?

Alles oben gesagte gilt übrigens auch aus Sicht der Unternehmenskommunikation. Facebook ist eine der Traffic-Maschinen, auf die Unternehmen nicht verzichten können. Unternehmen sollten auf keinen Fall einseitig auf Facebook setzen, sondern eigene Content-Plattformen, sprich: Blogs aufbauen, bei denen sie Herr im Haus sind. Unternehmen können und müssen in Blogs und auf Facebook für Relevanz für ihre Zielgruppen sorgen und sie können uns allen etwas Gutes tun, wenn sie gezielt Werbung auf Facebook schalten. Und Unternehmen sollten Netzwerke wie Facebook nutzen, um Kontakt zu Interessenten, Kritikern und Multiplikatoren herzustellen und ihre Themen dort offen und auf Augenhöhe zu diskutieren.

Hier geht’s zur Blogparade von David Stingl.

Bildnachweis: Carlosh / pixelio.de

  1. Weitestgehend stimme ich dem hier Geschrieben zu. Folgende Einschätzung und Erkenntnisse Deinerseits würden mich noch interessieren: facebook bringt besucher auf Dein Blog. Wie häufig kommen Besucher auch noch nach der facebook Halbwertszeit von sagen wir mal zwei Tagen drauf?

    17. Februar 2013
    • Na ja, schwer zu sagen. Aber es ist wohl schon so, dass der Effekt über Facebook kurzfristig wirkt, während über Google auch noch nach Monaten und Jahren Leser auf die Beiträge aufmerksam werden …

      17. Februar 2013
    • Ja das ist auch meine Erfahrung mit Facebook. Die Absprungraten von Besuchern, die über Facebook auf meine Blogs kommen, ist auch viel höher als im Durchschnitt.

      Facebook kann zwar viel für mehr Traffic tun, aber die Qualität des Traffics ist meiner Meinung nach weniger gut als über andere Kanäle. Die Nutzer klicken drauf, überfliegen den Artikel ein paar Sekunden und sind wieder weg.

      5. März 2013
  2. Was soll diese Fragestellung? Facebook ist Internet für Beschränkte. Selten nimmt man einen ganzen Satz oder einen zusammenhängenden Text wahr. Der Dienst bietet die Möglichkeit, dass Menschen mit geringer Beherrschung der Schriftsprache öffentlich unbedeutsame Informationen anbieten. Privatpersonen richten sich meist einmalig eine Facebook-Seite ein und entwickeln sich dann häufig nicht mehr weiter. Firmen wollen oft alle Wege nutzen, ihre Produkte und Dienstleitungen anzubieten Öffentliche Einrichtungen bemerken immer mehr die Fragwürdigkeit einer Teilnahme bei Facebook.
    Blogs sind freie Geistmaschinen. Man kann Facebook gestatten, auf die Inhalte von Blogs zu verweisen. Mehr ist aber nicht sinnvoll. Facebook zur Verbindung von Menschen ist überflüssig. Das Internet bietet viele andere freie Möglichkeiten an. Der persönliche Kontakt ist wertvoller als alle schriftlichen und audiovisuellen Verbindungen.
    Ziel von Facebook ist es, dass eine private Firma mit Hilfe von Millionen Menschen Werbebotschaften verbreiten kann. Ich mag solche Kritik nicht auf meinem Blog schreiben, aber hier wird danach gefragt, und mir ist gerade danach. Mit freundlichen Grüßen, Josef

    17. Februar 2013
    • Das Fernsehen bietet auch die Möglichkeit, dass Menschen mit geringer Beherrschung der Sprache öffentlich unbedeutsame Informationen anbieten. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch sehenswerte Sendungen gibt. Und bei 25 Millionen Deutschen auf Facebook sind auch ein paar dabei, deren Beiträge man durchaus lesen kann.

      Und ja, der persönliche Kontakt ist natürlich wertvoller, kann sich aber etwas schwierig gestalten, wenn dafür eine Distanz von 20.000 Kilometern zu überwinden ist, um bei meinem Australien-Beispiel zu bleiben.

      17. Februar 2013
    • Hallo Josef,
      Facebook hat den Nerv der Zeit getroffen und (was die Nutzerzahlen auch so dokumentieren) kann eine breite Masse an Benutzern mobilisieren. Diese als “beschränkt” zu bezeichnen, halte ich sehr intolerant. Facebook erfüllt viele Funtionen, wie z.B. die Aufrechterhaltung von Kontakten, der Austausch über Gruppen, Planen und Ausführen von Veranstaltungen, Chat usw. usf.D.h. jeder Benutzer nimmt die Funktion in Anspruch, die ihm selbst einen Mehrwert bietet. Ich gebe Dir recht, daß persönlicher Kontakt deutlich wertvoller ist. Daher sollte m.A.n. Facebook nicht als Ersatz-Kommunikationsweg sondern als zusätzlicher Weg verstanden werden. Tragisch ist es natürlich, wenn Facebook der einzige alleine Komunikationsweg darstellt. Nur auch das liegt im Ermessen des Anwenders.
      Die Gegenüberstellung von Christian (übrigens toller Beitrag) trifft den Nagel auf den Kopf. Es gibt kein “entweder…oder” sondern ein “in Verbindung mit…” von Blogs und Facebook.
      Und auch richtig: Facebook ist nicht das Internet. Und wird es hoffentlich auch nicht (als einziges) sein.

      Grüße
      Antonino

      18. Februar 2013
      • Benutzer von Facebook haben Beschränkungen, weil sie sich ohne Möglichkeiten des Mitwirkens den Vorgaben oder Schranken des Anbieters unterwerfen müssen. Das Erarbeiten und Veröffentlichen von Blog-Beiträgen bieten große inhaltliche und technische Freiheiten. Grüße, Josef

        18. Februar 2013
  3. Vielen Dank für die Teilnahme an der Blogparade!

    17. Februar 2013
  4. Reblogged this on Steuermann7's Blog und kommentierte:
    Reichweite Verlässlichkeit und Relevanz samt Vernetzung sind für den Autor maßgebend.

    17. Februar 2013
  5. Facebook hat mir heute ohne jede Ankündigung meinen Account gesperrt. Weil ich meinen Namen abgekürzt habe.
    Damit ist die Sache für mich dann wohl abgehakt – wer seine Kunden so dreist verrät, dem schmeiße ich meine Daten nicht freiwillig hinterher. (Da fällt mir ein: Die “Kunden” sind natürlich die Werbetreibenden).

    19. Februar 2013
    • Ärgerlich. Und ein krasses Beispiel für meinen Punkt 2 “Verlässlichkeit” …

      20. Februar 2013

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