Die letzten fünf Serien: Tote Mädchen, vergessene Götter und gescheiterte Existenzen

Eine bunte Mischung habe ich zuletzt bei Netflix und Amazon weggeschaut. Mein Highlight: American Gods …

Tote Mädchen lügen nicht (Netflix)

Ach, na ja. Einerseits Teenager-Zeugs. Andererseits eine phasenweise bedrückende Mobbing- und Missbrauchs-Geschichte. Die Idee der Autoren ist schon mal nicht schlecht: Eine Highschool-Schülerin hat sich umgebracht, und nach ihrem Tod tauchen Kassetten auf, mit denen sie verschiedene Mitschüler adressiert und erklärt, warum sie sich umgebracht hat und wer daran welchen Anteil hat. Zwischendurch flaut die Spannung ab, weil es etwas zu viel um Highschool-Teenager-Problemchen geht. Lauter Beziehungsdramen und fiese Mitschüler und Partys, die aus dem Ruder laufen, und kleinere und größere Krisen und so weiter. Gegen Ende zu ergeben die vielen Mosaiksteine aber ein düsteres Bild – und eine Serie, die durchaus nachdenklich macht.

American Gods (Amazon)

Das ist wirklich abgefahrener Fantasy- bis Horrorstoff. Schon das Buch von Neil Gaiman war sehr abgefahren (hatte für meinen Geschmack allerdings ein paar Längen) und die Serie verfilmt das ziemlich nah am Original. Es geht um alte und neue Götter in Amerika und ein paar Sterbliche, die, teils lebend, teils untot ihre Wege kreuzen. Eine Mischung aus Roadmovie und Götterdämmerung. Ist sicher nicht jedermanns Sache … aber meine. Eine schöne, ausführlichere Krtik, der ich mich komplett anschließe, gibt’s hier.

Ray Donovan (Netflix)

Die Familie Donovan hat so ihre Probleme, um das mal vorsichtig zu formulieren. Vater Mickey saß 20 Jahre im Knast und sorgt, seit er wieder draußen ist, nur für Probleme. Die Brüder Terry und Bunchy sind gesundheitlich angeschlagen und  psychisch labil. Nur Ray hat es zu was gebracht: Er hat Geld, einen spannenden Job und einer wunderbare Familie. Scheinbar. Denn auch bei Ray brodelt es unter der Oberfläche. Die Donovans sind mit die faszinierendsten Serienfiguren, die mir seit langem begegnet sind. Ihre Versuche, ein normales Leben zu führen, Beziehungen einzugehen, normale Eltern und Kinder zu sein, sind angesichts vergangener und aktueller Verwicklungen zum Scheitern verurteilt – und bei diesem Scheitern sieht man ihnen wahnsinnig gerne zu.

Deadwood (Netflix)

Goldgräber, Glücksritter und Halunken kommen nach Deadwood im Jahr 1876 – um Geschäfte zu machen, reich zu werden oder den Tod zu finden (und bei manchen folgt eines aufs andere). In der Serie ist der Wilde Westen wenig glorreich, statt dessen ziemlich dreckig, verdorben und korrupt. Aber unterhaltsam für den Zuschauer. Das liegt außer am guten Drehbuch an den Darstellern und an der großartigen Kulisse, einer Goldgräber-Stadt im Entstehen, die minutiös für die Serie nachgebaut wurde. Leider wurden die Kulissen nach Staffel 3 abgerissen, womit dann definitiv Schluss war, denn ein Neubau wäre viel zu aufwändig gewesen. Daher: keine weiteren Folgen, keine Filme (wie ursprünglich mal geplant), sondern eine endliche und sehenswerte Serie mit 36 Folgen.

Deutschland 83 (Amazon)

Ja, ich weiß, manchmal bin ich spät dran mit einer Serie. Deutschland 83 habt ihr bestimmt alle schon gesehen. Aber als es noch kälter war, konnte ich eine katastrophale, Schrecken erregende Männergrippe dazu nutzen, die Serie an zwei Abenden wegzuschauen. Eine ordentliche Serie, vor allem für eine deutsche Serie, vor allem für eine von RTL (!) produzierte Serie. Sehr schön haben die Macher die Zeit eingefangen, die ja meine Jugend geprägt hat. Nena, gelbe Telefonzellen, NATO-Doppelbeschluss, Friedensbewegung … Klar, auch hier ist die Handlung so konstruiert wie vorhersehbar, und ein paar Klischees konnte RTL natürlich nicht auslassen. Aber alles in allem eine unterhaltsame Zeitreise für einen armen, kranken Mann, der auf dem Sofa Tee trinken musste …

Bildnachweis: American Gods – Amazon; Tote Mädchen lügen nicht – Beth Dubber/Netflix; Ray Donovan – © ZDF/Michael Desmond

Ein Gedanke zu “Die letzten fünf Serien: Tote Mädchen, vergessene Götter und gescheiterte Existenzen

  1. Es freut mich, endlich mal jemanden zu „treffen“, der „Ray Donovan“ auch kennt und dem es auch gefällt. Eine meiner liebsten Serien, gab es auch im Free TV auf ZDF neo (oder so). Gruß, Moni

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