Zitat am Freitag: Iran und Saudi Arabien

Die Beziehungen zwischen Iran und Saudi Arabien sind zurzeit nicht die besten. Das hat Tradition und ist letztlich religiös begründet. Sucht man nach dem Ursprung des Konflikts zwischen Sunniten und Schiiten, landet man bei einer uralten Erbstreitigkeit …

Wer Asterix auf Korsika gelesen hat, weiß, dass alte Familienstreitigkeiten lange nachwirken können. Auf Korsika etwa sind die Sippen von Osolemirnix und Azurix schon seit Jahren verfeindet. Man weiß gar nicht mehr genau, warum. Vielleicht lag es daran, dass der Großonkel von Osolemirnix ein Mädchen aus der Sippe von Psychotherapix geheiratet hat, in das jedoch ein angeheirateter Vetter des Großvaters von Azurix verliebt gewesen sein soll. Möglicherweise lag es aber auch an einem Esel, den der Urgroßvater von Azurix dem Schwager des Busenfreundes von Osolemirnix nicht bezahlen wollte, weil er angeblich hinkte (der Esel, nicht der Schwager). Der Grund ist letztlich egal, entscheidend ist, dass die Nachkommen für alle Zeiten verfeindet sind.

Das erinnert mich ein wenig an den eigentlichen Grund, warum sich Schiiten und Sunniten und damit auch die schiitische Regionalmacht Iran und die selbst erklärte sunnitischen Schutzmacht Saudi-Arabien traditionell unfreundlich begegnen. Es liegt an einem uralten Erbfall, den Michael Schmidt-Salomon in seinem leicht religionskritischen Buch Keine Macht den Doofen wie folgt umreißt:

Sie kennen das sicherlich: Kaum ist ein Mensch gestorben, geraten seine lieben Nachfahren in einen unerbittlichen Streit um das Erbe des Verblichenen. So war es auch nach dem Tode Mohammeds. Sofort bildeten sich zwei unversöhnliche Lager: Auf der einen Seite stand Fatima, die Tochter des Propheten aus erster Ehe, die ihren Mann Ali Talib (Mohammeds Schwiegersohn) als legitimen Führer der Muslime sah. Auf der anderen Seite positionierte sich Mohammeds jüngste Ehefrau Aischa, die mit dem Propheten im zarten Alter von sechs Jahren verheiratet worden war und nun darauf pochte, dass ihr Vater Abu Bakr (Mohammeds Schwiegervater) die Führungsrolle übernehmen müsse. Im Zuge der Zwistigkeiten zwischen Tochter/Schwiegersohn und Ehefrau/Schwiegervater kam es zunächst zu handfesten innerfamiliären Auseinandersetzungen, wenig später zu verheerenden militärischen Schlachten, bei denen Zehntausende ihr Leben lassen mussten.

Absurderweise unterscheiden sich Sunniten und Schiiten bis zum heutigen Tage darin, welcher Fraktion sie in der blutigen Familienfehde nach Mohammeds Tod die Stange halten: Dis Sunniten solidarisieren sich mit Aischa und Abu Bakr, die Schiiten mit Fatima und Ali Talib. Man mag es kaum glauben, aber tatsächlich verursachte der Familienkrach im Hause Mohammed die jahrhundertelangen blutigen Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten.

Auweia.

Freunde anderer Religionen brauchen sich jetzt nicht entspannt zurückzulehnen, die bekommen in Schmidt-Salomons Buch auch ihr Fett weg. Dazu vielleicht demnächst mal mehr.

Ich wünsche ein schönes, friedliches Wochenende!

(Das Buch bei Amazon)

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5 Gedanken zu “Zitat am Freitag: Iran und Saudi Arabien

  1. Ziemlich bescheuert – genauso wie die Jahrhunderte währenden Kriege zwischen Katholiken und Protestanten in Europa. Natürlich ist / war der Glaube meist nur vorgeschoben, um schlichte Gemüter zum Kampf für die Machtgelüste der jeweiligen Herrscher zu motivieren.
    Immerhin ist der letzte „christliche“ Bürgerkrieg in Nordirland irgendwann durch ein paar mutige, vernünftige Menschen beigelegt worden. Aber das geschah in einem grundsätzlich demokratischen Staat. Bei Iran und Saudi-Arabien tendiert meine Hoffnung gegen null.

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  2. … auch zwischen der judäischen Volksfront und Volksfront Judäas lag schließlich nur eine Otternase ! Es wäre Zeit für eine fantastische Liste, – alle lieben ja Superlative: Welche möglichst winzigen Details/Unterschiede haben zu welchen möglichst maximalen Verwerfungen in der Weltgeschichte geführt ??? ; -)

    Gefällt 2 Personen

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