Die letzten fünf Filme: von schnuckeliger Komödie bis Weltkriegs-Drama

Zuletzt gab es eine nette, harmlose Komödie zu sehen, ein 3 Stunden-Epos mit deutlichen Schwächen, einen Film über wahnwitzige Gewinne und Verluste, eine wahre und traurige Geschichte über ein Genie und eine ebenfalls wahre und abgefahrene CIA-Story …

Mein Blind Date mit dem Leben

Ich war kürzlich mit meinem 14-Jährigen in München, weil er da ein Schülerpraktikum gemacht hat. Also haben wir einen netten und alterstauglichen Film für einen entspannten Kinoabend gesucht und gefunden: Mein Blind Date mit dem Leben. Wann habe ich zuletzt eine deutsche Komödie im Kino gesehen? Keine Ahnung, muss ewig her sein. Muss man natürlich auch nicht im Kino sehen, TV reicht völlig. Aber die Idee ist nett: Ein junger Bursche verliert fast komplett seine Sehfähigkeit und will trotzdem seinen Traum realisieren und eine Ausbildung im 5 Sterne-Hotel Bayerischer Hof machen. Das gelingt ihm mit guten Freunden und Zähigkeit und sorgt natürlich für allerhand lustige Szenen. Also: Handicap, Humor, Freundschaft, Liebe, bisschen Kitsch, alles total harmlos und nett, aber man muss ja nicht jeden Abend die Welt retten oder philosophisch Tiefseetauchen …

Interstellar

Ein Film, den ich lange vor mir hergeschoben habe – wegen 3 Stunden Laufzeit und sehr gemischter Kritiken. Tja, was soll ich sagen. Ist wirklich etwas anstrengend. Hat gute und schwache Momente. Ist insgesamt zu langatmig. Die Hälfte von dem Physik-, Raum-, Zeit-, Gravitationskram habe ich nicht verstanden. Spannend sind die Ausgangslage – die Erde gegen Ende des 21. Jahrhunderts geht zu Grunde, man sucht jenseits eines Wurmlochs nach bewohnbaren Planeten – und die Erfahrungen auf den unerwartet lebensfeindlichen Planeten. Nervig sind die Reminiszenzen an Kubricks 2001, den ich allerdings auch extrem nervig und anstrengend finde. Und dass die Hauptfigur selbst die Botschaften gesendet hat, ja herrje, ihr Drehbuchschreiber, das war mir wirklich von Anfang an klar, und dass fünfdimensionale Wesen irgendwie ein Kinderzimmer nachbauen, in dem man dann Bücher aus einem Regal plumpsen lässt, ist echt etwas albern.

The Big Short

the-big-shortKann ein Film über die Immobilienblase und Subprime-Krise in den USA rund ums Jahr 2007, in dem mit Finanzbegriffen jongliert wird, bis es einem schwindelig ist, spannend und unterhaltsam sein? Er kann. Es geht um einige Hedgefonds-Manager, die kurz vor dem Höhepunkt der Immobilien-Euphorie erkennen, dass die Blase platzen wird, darauf spekulieren und furchtbar viel Geld damit verdienen. Ihr Gewinn geht einher mit Banken-Pleiten, Insolvenzen und Arbeitslosigkeit, und beides gründet in einem wahnwitzigen Kreditsystem, bei dem pure Gier herrschte, jede Regulierung versagt hatte und alle Beteiligten inklusive Banken, Politik und Ratingagenturen äußerst unschöne Rollen gespielt haben. Mit Christian Bale, Ryan Gosling und Brad Pitt hervorragend besetzt und sehenswert.

The Imitation Game

Eigentlich werden zwei Geschichten erzählt: die eines genialen Mathematikers und Kryptoanalytikers, der den Briten hilft, die deutsche Enigma zu knacken und damit den zweiten Weltkrieg zu gewinnen; und die eines Homosexuellen, der nach dem Krieg wegen seiner „perversen“ Neigung von der Justiz verfolgt und zwangsbehandelt wird und bald darauf depressiv wird und Selbstmord begeht. Es die Geschichte ein und desselben Mannes, Alan Turing, großartig gespielt von Benedict Cumberbatch. Ohne Kitsch und Rührseligkeit wird die Geschichte des im Verborgenen wirkenden Helden erzählt und mit seiner Kindheit und der Nachkriegszeit gespiegelt, in der die Gesellschaft sich von ihrer hässlichen Seite gegenüber dem zeigt, was man für „unnormal“ hielt. Sehr sehenswert.

Argo

Ein wirklich guter Film, der die nicht ganz leichte Balance zwischen Spionagekrimi, Drama und Komödie hinbekommt. Er thematisiert eine Episode am Rande der Besetzung der US-Botschaft im Iran 1979. Sechs Diplomaten konnten damals unter dramatischen Umständen in die kanadische Botschaft fliehen und sich dort verstecken. Um sie in die USA zurück zu holen, inszenierte die CIA eine derart abenteuerliche Geschichte, die man einem Drehbuch niemals abnehmen würde – aber die Wirklichkeit schreibt halt manchmal die kuriosesten Geschichten. Unter dem Vorwand, an iranischen Schauplätzen einen Science Fiction Film drehen zu wollen (und zwar einen der billigen Sorte, einen grandios klischeehaften Abklatsch irgendwo zwischen Krieg der Sterne und Kampfstern Galactica), werden die Diplomaten als Filmcrew getarnt und schaffen schließlich die Ausreise. Toll besetzt, dramatisch und witzig, mit beeindruckenden Szenen im revolutionären Teheran und sehr netten Seitenhieben auf die Hollywood-Maschinerie.

Außer Konkurrenz: Divergent – Die Bestimmung

Also nö. Wirklich nicht. Was’n Quatsch.

Hier gibt’s noch mehr Film- und Serienkritiken.

Bildnachweis: Studio Canal, Paramount Pictures

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