Die letzten fünf Serien: Mordende Menschen, gequälte Roboter und ein bisschen Herzschmerz zum Ausgleich

Viereinhalb Empfehlungen gibt es heute, was die zuletzt gesehenen Serien angeht …

Manhunt: Unabomber (Netflix)

Manhunt soll eine Anthologie werden: Jede Staffel soll sich mit jeweils anderem Personal um einen bestimmten Serienmörder drehen. Nach Staffel 1 kann ich nur hoffen, dass die Macher das durchziehen und es weitere Staffeln geben wird, denn diese war überragend. Wie der Titel schon sagt geht es um den „Unabomber “ Ted Kaczynski, der in den USA zwischen 1978 und 1995 16 Briefbomben verschickt und damit viele Menschen verletzt und getötet hat. Die hervorragend besetzte Serie schafft es, Spannung aufzubauen (obwohl man die Geschichte und der Ausgang mehr oder weniger kennt). Sie konzentriert die jahrzehntelangen, mit riesiger Manpower versehenen FBI-Ermittlungen auf ein 1:1 Duell zwischen einem Profiler, der sich auf Sprachanalyse spezialisiert hat und von den restlichen Ermittlern nicht für voll genommen wird, und dem gesuchten Massenmörder. Und sie schafft es, den Mörder zur tragischen Figur zu machen: Man hasst ihn für das, was er getan hat, und wünscht ihm seine Strafe – man versteht aber auch, wie er zum Mörder wurde und dass alles unter anderen Umständen hätte anders kommen können. Eine schwierige Gratwanderung, die die Serie grandios meistert.

Westworld (Bluray)

Das hat eine Weile gedauert, bis ich diese Serie gesehen habe, von der fast alle sagten, dass man sie gesehen haben muss. Und ich stimme zu: Sie ist großartig. Das fängt mit Details an wie dem phantastischen Vorspann zur phantastischen Musik von Ramin Djawadi (genau: der Komponist der Game of Thrones-Musik). Dann haben wir eine ziemlich raffinierte und verwickelte Handlung auf mehreren Ebenen: Es geht um Geheimnisse aus der Gründungszeit des Western-Themenparks, um aktuelle Besucher und was sie im Park treiben, um das Management des Parks mit unterschiedlichen (Macht-)Interessen – und natürlich um die „Hosts“, die menschenähnlichen Roboter, die den Besuchern zum Ausleben ihrer teils sehr unerfreulichen Phantasien dienen. Diese Hosts verhalten sich zunehmend merkwürdig und entwickeln jenseits ihrer Programmierung ein Bewusstsein, was bald existenzielle Fragen nach Schöpfern und Schöpfung und Geschöpfen aufwirft. Das alles ist spannend erzählt und in höchst opulente Bilder verpackt, deren besonderer Reiz im Kontrast zwischen Westernwelt des 19. Jahrhunderts und futuristischer Hochglanz-Zukunft gründet.

This is us (Amazon)

Nach all dem Mord und Totschlag und allen Gemeinheiten, die Menschen anderen Menschen (oder in Westworld: Androiden) so antun, brauchten wir dringend mal eine schöne, freundliche, philanthropische Serie und sind auf vielfache Empfehlung hin bei This is us gelandet. Sie erzählt vom Leben dreier Geschwister und ihrer Eltern. Alles beginnt mit der Geburt von Drillingen, bei der eines der Babys stirbt, woraufhin sich die Eltern spontan entschließen, ein schwarzes Waisenkind aus der Klinik zu adoptieren, um quasi die entstandene Lücke zu schließen. Dann wandert die Serie durch das Leben der Beteiligten und springt von Kindheit zu Jugend zu Erwachsenenalter und wieder zurück. Figuren wie Schauspieler sind großartig. Nach jeder Folge ist man ein bisschen euphorisiert und ein bisschen traurig. Eine Serie, die ans Herz geht, ohne kitschig zu sein – das hat Seltenheitswert.

The end of the f***ing world (Netflix)

Nur acht Folgen zu je 20 Minuten – das kann man doch mal schnell wegschauen. Die Handlung klingt konventionell (zwei Jugendliche hauen von zu Hause ab und kommen sich dabei näher), ist aber skurril, da er Mordphantasien hat und meint, sie könne ein geeignetes erstes Opfer sein. Natürlich kommt es anders. Ihren Weg durchs Land kreuzen notgeile Psychopathen, desillusionierte Söhne und enttäuschende Väter. Und so wirken unsere Protagonisten bald gar nicht mehr so seltsam, sondern eher wie zwei ganz normale Teenager auf der Suche nach sich selbst. Fazit: Kurzweilig und unterhaltsam.

Halt and catch fire (Amazon)

„Halt and catch fire“ (HCF) bezeichnet Computerbefehle, die den Prozessor so stark auslasten, dass nur ein Neustart ihn wieder arbeitsfähig macht. Ein digitaler Grenzgang sozusagen, und darum geht es auch in der Serie, die in den 80er Jahren spielt. IBM ist dank des neuen PCs der Platzhirsch unter den IT-Unternehmen. Und doch findet ein digitaler Goldrausch statt, ein Rennen um Innovationen und IBM-Alternativen, an dem sich auch die Hauptfiguren der Serie beteiligen, die einen schnellen und günstigen tragbaren PC entwickeln. Die ganze Serie ist definitiv was für Nerds und Kinder der 80er Jahre, als beigefarbene pummelige Monitore und ratternde Festplatten den Aufbruch in die Moderne markierten. Der große Reiz der Serie bestand denn auch für mich im nostalgischen Rückblick auf ehemaliges Hightech begleitet vom Bewusstsein, dass unser heutiges Hightech in wenigen Jahren ähnlich rührend-veraltet sein wird. Leider vertrauen die Macher in Staffel 1 zu sehr auf diese Technik-Nostalgie (die Ausstattung ist zugegebenermaßen perfekt) und verzichten darauf, die Figuren wirklich interessant zu machen und mit Tiefgang auszustatten. Ein dominanter Vater, eine ITlerin zwischen Kindern und Karriere – viel mehr an Konflikt ist da nicht angelegt. Und auch die Handlung mändert etwas bemüht im Bestreben, den Herausforderern auf dem Weg zur Innovation zahlreiche Steine in den Weg zu legen. Dennoch: keine schlechte Serie und durchaus sehenswert für alle, die noch wissen wie damals ein Modem klang.

Bildnachweis: Manhunt Unabomber – Tina Rowden, Netflix; The end oft the f***ing world – Netflix

2 Gedanken zu “Die letzten fünf Serien: Mordende Menschen, gequälte Roboter und ein bisschen Herzschmerz zum Ausgleich

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