Serien Remakes - Kann gut gehen muss aber nicht

Serien Remakes – Kann gut gehen, muss aber nicht

In den letzten dunklen und kalten Winterwochen habe ich das Netflix-Angebot auf Herz und Nieren getestet, vor allem ein paar Serien …

Um es kurz zu machen: Das Netflix-Abo für lächerliche 9 Euro im Monat (inklusive HD) lohnt. Sehr. Vor allem wegen der Serien. Das Film-Angebot ist eher dünn, vor allem verglichen mit Amazon Instant Prime, wo es auch viele ältere Filme gibt (die ich früher mal gut fand, jetzt mit meinen Kindern wieder anschaue und feststelle, dass sie immer noch gut sind; die älteren Sachen mit Bill Murray zum Beispiel, Ghostbusters, Und täglich grüßt das Murmeltier, solche Filme …)

Feine Serien

Bei Netflix gibt es aber sehr feine Serien, viele auch exklusiv. House of Cards natürlich, das berühmte Beispiel, bald in der dritten Staffel. Marco Polo, opulent produziert und marketingstrategisch geschickt zu Weihnachten gelauncht. Orange is the new Black im Frauen-Gefängnis, nicht ganz so großartig, aber unterhaltsam. Jetzt natürlich Better Call Saul, ein Seitenstrang aus der Breaking Bad-Welt.

Eigentlich wollte ich aber etwas zum Thema Serien-Remakes schreiben, also Serien, die die Geschichte eines erfolgreichen Films nochmal oder neu in mehreren Episoden erzählen. Aus diesem Genre habe ich mir bei Netflix zwei Serien angeschaut: From Dusk Till Dawn und Fargo. Die Beispiele haben mir gezeigt: So was kann gut gehen, muss aber nicht.

From Dusk Till Dawn: zäh wie Kaugummi

From Dusk Til Dawn - Film und SerieNicht funktioniert hat das Ganze bei From Dusk Till Dawn. Die Vorlage: ein Klassiker von 1996, halb Road-Movie, halb durchgeknallter Vampir-Horror, mit einem jungen George Clooney in der Haupt- und Harvey Keitel in einer Nebenrolle, ein Gemeinschaftswerk von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez, der auch Regie geführt hat.

Die Serie, 18 Jahre später ebenfalls von Rodriguez verantwortet, macht einen kapitalen Fehler: Sie erzählt dieselbe Geschichte nochmal, nur ausführlicher. Leider sind alle Handlungselemente, die neu dazu erfunden wurden, um eine Länge von zehn Folgen in der ersten Staffel zu erreichen, langweilig, aufgeblasen und nervtötend. Das hat für den Zuschauer die fatale Konsequenz, dass es keinerlei Überraschungen gibt, dass er genau weiß, was passieren wird – nur dass sich das Unvermeidliche hinzieht wie Kaugummi. Spannung: null. Unterhaltungswert: gering.

Fargo: großes Kino in Serienform

Fargo - Film und SerieGanz anders Fargo. Auch hier ist das Original ein Klassiker und einer meiner Lieblings-Filme, ebenfalls von 1996, ein Werk der Coen-Brüder. Eine wunderbar skurrile Tragikomödie, ein tolles Setting im winterkalten Minnesota, großartige Schauspieler, allen voran Frances McDormand, William H. Macy und Steve Buscemi.

Und die Serie von 2014? Eine wunderbar skurrile Tragikomödie, ein tolles Setting im winterkalten Minnesota, großartige Schauspieler. Aber eine ganz andere Geschichte, die nur lose an das Original geknüpft ist. Alles, was ich am Film gemocht habe, ist wieder da: dieser spezielle Way of Life im ländlichen Minnesota, der schwarze Humor, der Ritter von der traurigen Gestalt als Hauptfigur (hier ein Versicherungsverkäufer, im Film ein Autohändler), der rührend und völlig vergeblich versucht, das Schlamassel seines Lebens in den Griff zu bekommen … Und was für grandiose Schauspieler: Martin Freeman (Watson aus Sherlock, Der Hobbit) als tragikomischer Held, Bob Odenkirk (Saul Goodman aus Breaking Bad und Better Call Saul) als überforderter Polizeichef, Billy Bob Thornton als finsterer Killer, Oliver Platt als degenerierter griechischer Supermarktketten-Besitzer … Das ist wirklich großes Kino in Serienform.

Big Data für bessere Serien

Beides sind übrigens keine Eigenproduktionen von Netflix, sondern Serien, die nur zuerst via Netflix ausgestrahlt werden.

Apropos Eigenproduktionen: Netflix wertet bekanntlich seine Big Data aus und schnitzt mit den gewonnenen Erkenntnissen neue Serien. Amazon, der spannendste Netflix-Konkurrent geht einen etwas anderen Weg: Amazon produziert Pilotfolgen zahlreicher möglicher Serien und holt sich dann Feedback von den Nutzern, welche dieser Serien sie gerne in Gänze sehen wollen. Man muss übrigens kein Amazon Instant Prime Kunde sein, um diese Folgen anzuschauen (ihr merkt: eine geschickte Mischung aus Marktforschung und Neukundenakquise).

Und eine fertig produzierte Amazon-Serie habe ich auch schon angefangen: Mozart in The Jungle. Auch sehr vielversprechend! In Sachen Serien leben wir zurzeit jedenfalls im Schlaraffenland …

Bildnachweis: Netflix

5 Gedanken zu “Serien Remakes – Kann gut gehen, muss aber nicht

  1. …bei from Dusk till Dawn bin ich nach der Pilotfolge auch zu DER entscheidenden Stelle vorgesprungen, sogar die wurde zu Tode erklärt. Probier mal the Americans und Bates Motel, nettes setting, nette Ideen…

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  2. Moin. Na dann hoffe ich mal das du allmontaglich nach der Wochenrückschau bei mir im Blog vorbei schaust … wenn du dir Serientipps holen willst. :-D

    Bates Motel hätte ich dir in dieser Reihe auch noch empfohlen, genauso Hannibal.

    Irombloggerische Grüße.
    Tobias

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