Hotel-WLAN

Die Evolution des Hotel-WLAN

Internet ist Infrastruktur und wie jede Infrastruktur nicht selbstverständlich. Erst Raketenwissenschaft, dann Luxusgut, irgendwann Normalität – So verläuft die Evolution so mancher Infrastruktur, und ich frage mich, auf welcher Evolutionsstufe das WLAN in Hotels heute angekommen ist …

Während ich das schreibe, sitze ich in einem Hotel und bin offline. Also eigentlich bin ich im Hotel-WLAN, aber das hat die gleichen Eigenschaften wie das WLAN in ICEs der Deutschen Bahn: Es ist irgendwie da, aber irgendwie auch nicht. Es wird angezeigt, man sieht das knuffige WLAN-Symbol auf seinem Endgerät, man hat das Passwort eingegeben und ist eingewählt – nur heißt das noch lange nicht, dass man auch online ist.

WLAN? Irgendwie und irgendwo!

Das hiesige Hotel-WLAN hat noch eine weitere rätselhafte Eigenschaft: Wenn es irgendwie da ist, ist es irgendwo mehr da als anderswo. Soll heißen: In meinem Hotelzimmer ist es (natürlich) gar nicht da (Also das WLAN-Symbol schon, aber das WLAN nicht). Direkt unter der Antenne des WLAN-Repeaters, der Luftlinie zwei Meter entfernt auf dem Gang hängt, ist es ein bisschen da. Und nochmal zwei Meter weiter, wo sich der WLAN-Quell-Router befindet, ist es ganz ordentlich da. Zumindest manchmal.

Auf der Suche nach WLAN laufe ich daher mit dem iPhone in der ausgestreckten Hand durchs Hotel wie ein Schmetterlingfänger mit seinem Kescher, wedele hierhin und dorthin, um dann plötzlich inne zu halten und das erhaschte WLAN schnell zu nutzen, bevor es sich wieder verflüchtigt wie ein scheuer Zitronenfalter. Dabei werde ich natürlich von den Hotel-Angestellten misstrauisch beäugt.

Vom Plumpsklo zu fließend WLAN

Immerhin: Es gibt im Hotel (theoretisch) kostenloses WLAN, das war bis vor Kurzem nicht selbstverständlich. Lange gab es gar kein Internet im Hotel. Dann gab es welches, aber nur an speziellen PCs in der Lobby, die man gegen eine erhebliche Gebühr nutzen durfte. Dann, als das Internet in der Lage war, durch die Luft zu sausen, konnte man sich diese abgefahrene Technologie per Voucher kaufen, eine Stunde Internet für 20 Euro oder so ähnlich. Heute sind wir also so weit, dass es im Prinzip kostenloses WLAN im Hotel gibt, in Wirklichkeit, jenseits des Prinzips aber nicht. Und in Zukunft? Wird es überall im Hotel, in jedem Zimmer, richtig dickes, fettes, breitbandiges WLAN für lau geben? Man weiß es nicht.

Als Technologie-Optimist hoffe ich natürlich darauf. Das war bei anderen Infrastrukturen ja nicht anders, nehmen wir zum Beispiel: Wasser. Vor Jahrhunderten: kein Wasser weit und breit, die Menschen prinzipiell dreckig und permanent auf dem Weg zum Plumpsklo, das sich in sinnvollem Abstand vom Haus befand. Irgendwann dann fließend Wasser, zumindest theoretisch, praktisch war dauernd irgendwas kaputt oder eingefroren oder rostbraun oder was weiß ich. Und heute: Fließend Wasser in jedem Hotelzimmer, klar, sauber und kostenlos. Irgendwann wird es fließend Internet geben, ich glaube fest daran.

Online und Offline, Einatmen und Ausatmen

Spätestens jetzt wird der eine oder andere von euch folgenden Gedanken kaum noch zurückhalten können: Internet im Urlaub? Muss das sein? Schalt doch mal ab und erhol dich! Bevor ihr den Gedanken äußert oder gar hier in die Kommentare schreibt: Nein, es muss nicht sein. Fließend Wasser im Urlaub muss ja auch nicht sein. Man kann auch total schönen Urlaub ohne fließendes Wasser machen. Es ist nur mit der Zeit ein wenig anstrengend, weil man ständig den 3 Kilometer entfernten Gebirgsbach aufsuchen und einen 10-Liter-Eimer mit einst geflossenem Wasser zur Unterkunft schleppen muss. (Es sei denn man hat’s nicht so mit Hygiene.)

Ich weiß nicht, für welche Menschen heutzutage noch Online-Sein Stress und Offline-Sein Erholung bedeutet. Für mich ist beides natürlicher Bestandteil des Lebens und einfach – nichts Besonderes. Man sagt ja auch eher selten, dass Einatmen stressig, aber Ausatmen total erholsam ist.

An einem richtig schönen Urlaubstag wechseln sich bei mir jedenfalls Online- und Offline-Sein ab wie Ein- und Ausatmen. Ich liebe es, im Urlaub bei einem Offline-Kaffee ausführlich Zeitung zu lesen, und die gibt’s nach dem Download auf dem iPad. (Bis der Download abgeschlossen ist, haben sich denkwürdige Szenen auf den Fluren dieses Hotels abgespielt, aber egal.) Ich liebe es auch, mit meiner Frau offline zu wandern, aber vorher suche ich online zum Beispiel bei outdooractive.com nach schönen Wanderungen. Und ich finde es sogar erholsam, im Urlaub Blogbeiträge zu schreiben, so wie eben, und das geht ganz wunderbar offline, aber irgendwann muss man schon ein bisschen online sein. Sonst hält sich die Zahl der Leser des Beitrags doch in engen Grenzen …

PS: Wem das Bild bekannt vorkommt: Der Herr Spitzweg hat’s gemalt. Jedenfalls so ähnlich ;-)

14 Gedanken zu “Die Evolution des Hotel-WLAN

  1. Ob wir das mit dem „fließend Internet“ in Hotels noch erleben? Da hab ich dann doch so meine leisen Zweifel… ;o)

    Ich werde die nächsten Wochen leider auch wieder in ein paar Hotels über das WLAN fluchen und heiße Tränen der Verzweiflung weinen…

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  2. Ich stimme Dir voll zu! Ich suche mir auch Unterkünfte aus in denen es WLAN gibt. Ich mache zwar Urlaub, aber nicht von der Welt. Ich finde es eine schöne Zeit um bspw. gerade Erlebtes im Blog zu verschriftlichen oder Bilder an den Rest der Family zu verschicken, Beiträge zu lesen und und und……
    Aber vor 2 Jahren waren wir in einem Super Ferienhaus in Frankreich in dem es WLAN geben sollte. Stand auf der Webseite. Und wir kamen an und es gab kein WLAN. Tja das wäre ein Fehler vom Betreiber der Webseite. Ich hatte dann 2 sehr! enttäuschte Jugendliche die mit ihren Freunden in der „Heimat“ kommunizieren müssen um zu überleben und ich wollte meine Blogabos lesen :-(
    Wir haben dann ein sauteures Abo auf dem Campinglatz nebenan gekauft, für 2 Wochen ca. 40 Euro bezahlt und konnten dann im Garten sitzend im WLAN des Campingplatzes surfen, bis dahin hat es gereicht. Passiert mir nie wieder! Ich lasse mir jetzt immer bestätigen dass es WLAN gibt.

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  3. Danke für diesen tollen Post.

    Hotels und Wlan werden in diesem Jahhundert wohl keine Freunde mehr.

    Ich hab es aufgegeben und dank LTE Flat und knapp 10GB incl Traffic, der dann noch in ganz Europa gilt bin ich zum „Selbstversorger“ geworden.

    Einziger Nachteil im ICE – das LTe Netz wird noch nicht verstärkt. Das wlan mieserabel und normales surfen nicht möglich. Youtube seltsameweise schon, zumindest auf der Stecke Richtung Hamburg.
    Ein Schelm wer böses denkt.

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  4. Danke für diese kurzweilige Schilderung der Realität.

    Wir befassen uns beruflich damit, das besser zu machen. Unser Käscher (so stehts auch im Duden und kaschen ist schließlich das Verb dazu) ist ein Notebook. Da ist ein Grundriss geladen und wir schauen, wo das WLAN schon fließt und wo eben noch nicht. Und Zugangsdaten braucht da auch niemand mehr, nur den Nutzungsbedingungen zustimmen natürlich (Dank deutscher Gesetzeslage). Wenn daran jemand Interesse hat, können wir mal ganz unverbindlich eine Einschätzung machen. Wer Lust hat, uns Hotels zu nennen, in denen fließendes WLAN mal dringend gebraucht werden könnte, ist herzlich willkommen! wlan@networkaholic.net

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  5. Schönen Urlaub dir noch. Und ich seh das ganz genauso. Man kann im Urlaub wunderbar beides sein. Wir suchen unsere Hotels auch immer danach aus, ob man WLAN hat oder nicht. Es ist immer leichter Veranstaltungen in den Städten zu finden, wenn man auch mal online sein kann. In Japan zB kann man sich einen WLAN Router mieten. So findet man sich dann auch in der Stadt wie Tokio zurecht, wenn man mal eben Maps öffnen oder sich heraussuchen kann welche U-Bahn denn wo hin fährt und so. Ich persönlich finde das ganz praktisch. Es kommt halt immer darauf an, was man im Urlaub machen möchte und wie man das Internet dann nutzt. Wer nur auf den Social Medien herumgeistert, hat eindeutig was falsch gemacht. Mal am Abend schauen, ok, aber ansonsten nicht.

    Lg Mel

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  6. Haha, ich habe mich schief gelacht bei dem Beitrag. Ja, das kenn ich auch mit dem f*king Hotel-WLAN. Wer will schon wissen wo der Notausgang ist? Wissen wo der Rourter/Repeater ist, ist viel wichtiger. ;-)

    Ich sehe das mit dem Online sein im Urlaub auch nicht so wild. Gehört doch mittlerweile zum Alltag, warum sollte ich dann im Urlaub Zwangspause machen wenn es doch so praktisch und völlig normal ist? Ich nütze Smartphone und Tablett als nützliche Hilfsmittel und nicht als Ersatz fürs reale Leben. Dann finde ich das voll OK.

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  7. Köstlich geschrieben und bebildert, selten so abgelacht!
    Wir verbringen 2 mal im Jahr Urlaub mit Freunden und buchen stets mit Bedacht Ferien-Doppelhäuser mit WLAN – zwei aus der Gruppe benötigen es als Freiberufler dringend auch in der Fremde, zwei sind einfach digitalaffin und wollen mal ihre Mails checken oder auf fb rumlungern. Oder wie Sie, Herr Buggisch, Wanderrouten raussuchen oder Wetter mit Webcams gucken.
    Gleich nach Ankunft geht die Suche los: In welcher Haushälfte geht´s, in welcher nicht? Wenn´s geht: wo im Haus? Im Wohnzimmer? Schlafzimmer? Küche? Abstellraum? Und dann: Zu welcher Uhrzeit sind die Chancen am größten?
    So saß ich schon bei Affenkälte frühmorgens zwischen 6 und 7 Uhr auf der Terrasse, das Laptop auf die Nachbarhaushälfte ausgerichtet. Wär alles nicht so schlimm gewesen, wenn mir dann nicht auch noch ein Vogel in meinen heißen Kaffee gekackt hätte.

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  8. In manchen Hotels musst du nur ein Netzwerkkabel dabei haben. Der Switch versteckt sich hinter dem Vorhang. Laptop anschließen und loslegen :-) Wenn du technisch versiert bist wandelst du das WLAN Gerät im Notebook in einen Access Point für dein iPhone :-)

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