Long Covid

Ja, auch ich leide unter Long Covid. Freilich nur in einer milden Variante. Es nervt dennoch gewaltig …

Gefühlt gab es in dieser nun bald drei Jahre dauernden Pandemie mehrere Phasen, in denen wir die Krankheit unterschiedlich wahrgenommen haben.

Phase 1: Unsicherheit und Angst vor dem Tod. Wenige gesicherte Erkenntnisse, keine Impfungen, dramatische Bilder aus Bergamo und New York. Drastische Maßnahmen von Schulschließungen bis hin zu weitreichenden Lockdowns, nach dem Motto: Lieber mal alles dicht machen, viel hilft viel.

Phase 2: Neue Lockerheit. Ordentlich durchgeimpft muss man da durch, es steckt sich sowieso früher oder später jeder mal an. Ist wie ne kräftige Erkältung, aber alles halb so wild. Gegenmaßnahmen: Masken in Zügen, aber nicht in Flugzeugen (oder war es umgekehrt?), ansonsten: ein Prosit der Gemütlichkeit!

Phase 3: Nachdenklichkeit. Ist das wirklich alles halb so wild? Ja, die Infektion war nervig, aber vorbei ist vorbei – oder doch nicht? Irgendwie bin ich nach der Infektion nicht mehr der Alte. Lässt sich schwer greifen und in Worte fassen. Auf jeden Fall wäre es eine ganz gute Idee, sich nicht gleich wieder irgendwo zu infizieren. Sicher ist sicher.

In Phase 3 befinde ich mich zurzeit. Meine Covid-Infektion war Mitte Juni. Sie war unlustig und mit dem Geruchsverlust als Symptom durchaus irritierend. Aber nach kurzer Zeit weitgehend vorbei. Weitgehend, aber halt nicht vollständig. Womit ich seitdem umgehen muss, das ist ein andauernder (sportlicher) Leistungsverlust.

Während man bei einem normalen Infekt natürlich mit dem Sport pausiert, dann die Leistung langsam wieder hochfährt und alsbald das alte Niveau erreicht hat, ist das hier anders. Auch nach 3,5 Monaten bin ich ein gutes Stück vom gewohnten Leistungslevel entfernt. Wer wie ich beim Training seine Herzfrequenz im Blick hat, kann die Aussage leicht objektivieren: Das Gefühl „Da geht viel weniger als früher“ heißt zum Beispiel beim Radfahren in nackten Zahlen: 30 Watt weniger. Musste ich früher beispielsweise 200 Watt Widerstand treten, um eine bestimmte Herzfrequenz zu erreichen, genügen heute 170 Watt. Das sind Welten. Ähnliches beim Laufen: deutlich weniger Tempo als früher bei gleicher Herzfrequenz wie früher.

Und da das Ganze auch mehr als vier Wochen nach meiner Infektion noch auftritt, kann oder muss man von Long Covid reden, so die Defintion.

Wenn ihr wie ich in der Nachdenklichkeits-Phase seid und mehr als eine Defintion haben wollt, euch vielleicht sogar fragt, ob ihr selbst noch lange nach einer Covid-Infektion Symptome mit euch rumschleppt – dann sei euch das Buch „Long Covid“ von Claudia Ellert empfohlen, das ich gerade gelesen habe. Sie ist Ärztin und selbst Betroffene, die sich wegen Long Covid stark einschränken und lernen musste, mit dieser Krankheit umzugehen. Auf 200 Seiten erfahrt ihr so ziemlich alles über dieses diffuse Krankheitsbild, das wirklich auch sehr viel schlimmer ausfallen kann als in meinem persönlichen Beispiel. Um so wichtiger zu wissen, was bei Long Covid eigentlich im Körper passiert, in welchen Symptomen sich das äußern kann und vor allem mit welcher Strategie und Therapie man Long Covid begegnen sollte.

Ich habe jedenfalls bei der Lektüre viel gelernt. Ein Beispiel: Die Ruhepulsfrequenz ist ein wichtiger Parameter für die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems und gibt damit Hinweise, wie erholungsbedürftig man noch und wie leistungsbereit man schon wieder nach einer Infektion ist. Da ich schon mein halbes Leben mit Sportuhr und Smart-Watch rumlaufe, kenne ich meine Daten. Auf der Grafik seht ihr, wie mein Ruhepuls mit der Covid-Infektion im Juni ansteigt und dann lange braucht, um nach und nach wieder zu sinken – ohne dass ich heute schon das alte, niedrige Niveau erreicht hätte. Übrigens: Bei Ungeimpften dauert es im Schnitt doppelt so lang, bis der Ruhepuls wieder auf sein altes Niveau gesunken ist, wie bei Geimpften. Auch das lernt man im Buch.

Ein Rat von Claudia Ellert, dem ich zum Glück schon lange folge, lautet entsprechend: „Vertrauen Sie objektiven Kriterien wie dem Herzfrequenzverlauf. (…) Intuition allein ist im Fall von Covid-19 kein guter Ratgeber!“ Zumal man mit Long Covid teils kontra-intuitiv umgehen muss. Pacing zum Beispiel als wichtige Strategie gegen Long Covid heißt, unter bestimmten Belastungsgrenzen zu bleiben statt – wie wir das alle gelernt haben – die Belastung zu steigern, die Grenze nach oben zu verschieben und durch immer neue Trainingsimpulse vermeintlich besser zu werden.

Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt: Kauft euch das Buch.

Oder – um endlich mal gute Nachrichten zu verbreiten: Meldet euch bei mir in den Kommentaren, in den sozialen Medien oder sonst wie. Unter allen Interessenten verlose ich ein von der Autorin signiertes Exemplar des Buches, das mir Claudia freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

12 Gedanken zu “Long Covid

  1. Hi Christian,
    das ist betrüblich zu hören. Ich halte Dir auf jeden Fall die Daumen, dass Du Dich über die Zeit wieder dem ursprünglichen Niveau näherst.
    Leider bemerke ich bei einigen Leuten, dass eine gewisse Leichtigkeit einsetzt, was eine mögliche Infektion betrifft. Die Veranstaltung Wies‘n spricht da Bände. Man denkt: so schlimm isses ja nimmer. Das führt auch zu Impfnachlässigkeit. Schade.
    Viele Grüße Raul

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  2. Vielen Dank für die Buchvorstellung. Auch ich trage schon seit vielen Jahren eine Smartwatch und hatte im Juni meine erste und bislang einzige Infektion – mein Ruhepuls ist recht unbeeindruckt davon (durch sehr viel Stress seit circa 1 Jahr eh sehr hoch) aber was ich absolut merke, ist der verschobene Puls bei Aktivität. Da sorgt ein normal schneller Spaziergang recht schnell für einen Puls jenseits der 130/140. Mein gleich alter Mitbewohner (gleiche Smartwatch, ähnlich fit) und ich gehen häufiger gemeinsam spazieren, vor meiner Infektion war mein Puls im Durchschnitt 5-8 über seinem (er macht etwas mehr Sport als ich), seit der Infektion liegen wir 20-25 auseinander. Das ist auch bis heute nicht besser geworden. Das sind die objektiven Kriterien, subjektiv fällt meinem Umfeld auf, dass ich vergesslicher geworden bin, häufiger nach Worten suchen muss und ich selbst merke auch, wie meine Leistungsfähigkeit abgenommen hat.

    Ich hätte also starkes Interesse an einer Teilnahme am Gewinnspiel und würde mich sehr über das Buch freuen!

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  3. Hallo Christian,
    Hier auch eine Claudia mit LongCovid, leider von der etwas heftigeren Sorte, seit Februar 2022.
    Das sind spannende Beobachtungen zur Ruhepulsfrequenz. Ich habe erst seit Ende Februar eine Smartwatch (eigens angeschafft wegen LongCovid), insofern kenne ich meine Werte von vor der Infektion leider nicht. Aber mir ist auch aufgefallen, dass der Trend meines Ruhepulses abwärts geht. Von Februar bis Mai im Durchschnitt bei 62, ist er seit Juli im Durchschnitt bei 57. Ich sehe darin ein gutes Zeichen, dass es wieder besser wird 🙏🏼 Es passt auch zu meiner Beobachtung, dass die Fatigue und die Muskelschmerzen etwas abgenommen haben. Jetzt wünsche ich mir nur noch Verbesserung für meine Neuropathie.
    Über das Buch von Claudia Ellert würde ich mich sehr freuen.
    Liebe Grüße!

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  4. Ach herrje, lieber Christian! Weiterhin viel Kraft für Dich!

    Ich möchte gar nicht in den Lostopf, das Buch soll lieber jemand bekommen, der mit diesen Symptomen zu kämpfen hat. Aber eine Frage habe ich dennoch: Ist das nach über drei Monaten dann nicht schon Post Covid? Oder wo wird die Grenze gezogen? (Ich hatte etwas von 6 Wochen im Kopf).

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    • Danke dir :-) Also, nach 4 Wochen spricht man von Long Covid, nach 12 Wochen von Post Covid. Allerdings hört Long Covid nicht auf (und ist dann Post Covid), sondern (Zitat aus dem Buch): „Die Begriffe Long Covid und Post-Covid-Syndrom werden ab dem dritten Monat der Erkrankung synonym verwendet.“ Sprich: Nach 4 Wochen bis unendlich kannst du von Long Covid reden, nach 12 Wochen bis unendlich von Post Covid. So hab ich‘s zumindest verstanden.

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  5. Gute Besserung erstmal.
    Mir geht es ähnlich, jedoch beim Puls noch nicht so drauf geachtet.
    Vielmehr habe ich den Eindruck mental vom Kopf nicht mehr so leistungsfähig zu sein als vorher. Was früher schnell verständlich war ist aktuell sehr mühsam.
    Ist das bei Dir auch?
    Das Buch finde ich interessant

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  6. Hallo Christian. Das liest sich ja nicht so schön. :-/ Ich hoffe, dass sich Dein Wohlbefinden und auch die „harten Zahlen“ bald wieder in die richtige Richtung entwickeln.

    Mich hatte es früher in diesem Jahr auch erwischt, trotz aller Vorsicht. Ich habe leider nicht derartige Hard Facts, an denen ich etwas festmachen könnte. Ich fühle mich rein subjektiv betrachtet allerdings öfter müde, aber um 21.15 Uhr ins Bett gehen kann ja auch am Alter liegen. ;) Jedenfalls fände ich es spannend, mehr zum Thema Long Covid zu lesen.

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  7. Drücke dir die Daumen, dass Du die Nachwirkungen (aka Long Covid) schnell überwindest.

    Würde mich ebenfalls über das Buch freuen, da ich ähnliche Probleme habe. Hatte im April Corona. 1 Woche bettkrank, aber fast 2 Wochen lang „positiv“. Dann fast einen Monat noch den Husten.. Und bis heute noch das Gefühl, dass ich noch nicht wieder 100% fit bin (Vor allem bei körperlicher Anstrengung und wenn ich mich längere Zeit konzentrieren muss)

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