Social Media im Unternehmen – kein Fall für den Praktikanten

Viele Unternehmen stehen Social Media nach wie vor skeptisch gegenüber. Während größere Firmen das Web 2.0 häufig schon in ihren Kommunikationsmix integriert haben, sind KMU oft noch zurückhaltend. Ein neuer Social Media Leitfaden vom Branchenverband BITKOM erleichtert jetzt den Einstieg.

Im März dieses Jahres veröffentlichte das Beratungsunternehmen Keylens eine Studie, die ich bemerkenswert fand. Mehr als die Hälfte der befragten deutschen Unternehmer gab an, das Web 2.0 nicht oder kaum zu nutzen. Hauptgrund für die Zurückhaltung: Angst vor Kontrollverlust, man wolle die Kontrolle über die eigene Außenwirkung behalten.

Das Argument ist erstaunlich, denn selbstverständlich finden Gespräche über die eigene Marke im Web 2.0 statt, ob man will oder nicht. Sich selbst nicht an diesen Gesprächen zu beteiligen, sorgt natürlich nicht dafür, dass alle verstummen (es nimmt einem nur die Möglichkeit, die Gespräche mitzugestalten).

Unsicherheit in Unternehmen

Letztlich scheint mir hinter solchen Bedenken eine große Unsicherheit im Umgang mit Social Media zu stecken, die nicht zuletzt durch Uninformiertheit hervorgerufen wird. Muss das sein, reicht nicht die klassische Corporate Website? Wo soll ich anfangen? Erreiche ich meine Zielgruppe im Web 2.0? Wer im Unternehmen soll dafür zuständig sein? Wie lässt sich der Erfolg messen? Und was kostet das alles?

Der BITKOM-Leitfaden kann einem nicht abnehmen, sich systematisch mit Social Media zu beschäftigen – aber er erleichtert einem den Einstieg. Er umreißt die Themenfelder, mit denen sich Kommunikationsverantwortliche im Unternehmen beschäftigen müssen, wenn sie über den Einsatz von Social Media nachdenken: von der Entwicklung einer Social Media Strategie und der Festlegung von Zielen über die organisatorische Verankerung im Unternehmen bis hin zur Auswahl der passenden Plattformen. Weitere Kapitel beschäftigen sich mit Guidelines und Monitoring.

Social Media? Macht bei uns der Praktikant …

Beispiel 1: Organisation im Unternehmen. Für viele Unternehmen dürfte es sicher verlockend sein, erst mal den Praktikanten oder Azubi damit zu beauftragen, sich „nebenbei“ um Social Media zu kümmern. Gegen die Einbindung junger, internet-affiner Mitarbeiter ist auch nichts einzuwenden, dennoch muss den neuen Medien professionell begegnet werden, Verantwortung und Prozesse müssen klar geregelt sein. „Social Media Aufgaben sollten keineswegs an den Praktikanten delegiert werden. Für den Erfolg ist es zentral, dass sich erfahrene Mitarbeiter und Kommunikatoren diesen neuen Kanälen widmen“, heißt es dazu im Leitfaden.

Beispiel 2: Inhalte. Ein paar Tweets pro Tag können ja nicht so schwer sein, mag mancher Unternehmer denken (kurz bevor er seinen Praktikanten beauftragt, sich um Social Media zu kümmern). Sind sie auch nicht – es sei denn, sie sollen relevant sein und den Lesern echten Mehrwert bieten, wie jede andere sinnvolle Kommunikationsmaßnahme auch. „Content is king“, heißt es entsprechend im Leitfaden: „Alles ist erlaubt, solange es Nutzen verspricht und die eigenen Markenwerte und Kommunikation stützt.“

Social Media zum Nulltarif?

Beispiel 3: Welche Kosten verursacht der Einsatz von Social Media? Der Umstand, dass man die meisten Social Media Plattformen kostenlos nutzen kann, ist verlockend und gefährlich zugleich, entsteht doch allzu schnell der Eindruck bei den Entscheidern, man könne Social Media zum Nulltarif einsetzen. In Wahrheit kann Social Media schnell zum Kommunikations-Desaster führen, wenn man den Aufwand falsch eingeschätzt und die nötigen Ressourcen nicht geplant hat (etwa wenn man vom eigenen Erfolg überrollt wird und auf Anfragen oder Diskussionsbeiträge nicht mehr rechtzeitig reagieren kann). Zu Recht heißt es daher im BITKOM-Leitfaden: „Aktivitäten in Social Media kosten Zeit (…), nämlich die Arbeitszeit eines oder mehrerer Mitarbeiter im Unternehmen.“

Die theoretischen Ausführungen im Leitfaden werden ergänzt durch mehrere Praxisbeispiele von Unternehmen, die bereits Erfahrungen mit Social Media gesammelt haben: Cirquent, DATEV, Microsoft Deutschland, die Messe München und die Deutsche Telekom.

Keine Frage: Der Leitfaden erfindet Social Media nicht neu, und er ist natürlich nicht für Social Media Experten gedacht. Aber er fasst gut zusammen, wie man sich als Unternehmer dem Thema nähern kann, vor allem wenn man noch unsicher ist oder sich bislang wenig damit beschäftigt hat.

Und das Beste: Der Leitfaden, der mit 34 Seiten fast schon ein kleines Handbuch ist, ist kostenlos und kann hier als PDF-Datei direkt heruntergeladen werden.

Disclosure: Ich war als Co-Autor an der Erstellung des BITKOM-Leitfadens beteiligt.

Bildnachweis: Stephanie Hofschlaeger / www.pixelio.de

2 Gedanken zu “Social Media im Unternehmen – kein Fall für den Praktikanten

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