Lieblingsserien

Lieblingsserien

Da ich immer mal wieder gefragt werde – und da ja auch mit Herbst und Winter wieder die beste Zeit für Sofa und Bewegtbild beginnt – hier eine Liste meiner Lieblingsserien …

Natürlich bin ich mir sicher, dass jeder von euch die Liste ein bisschen anders bestücken und sortieren würde. Anmerkungen gerne unten in die Kommentare!

Platz 1: Breaking Bad

Breaking BadDie beste Serie aller Zeiten. Krebskranker Chemielehrer wird zum Drogenboss. Sehr, sehr gut gemacht, sehr unterhaltsam. Viel schwarzer Humor. Ein Drehbuch zum Niederknien.  Fünf wunderbare Staffeln mit 62 Folgen. Und weil wir gerade dabei sind: auch das Spin-off Better Call Saul, das sich dem Anwalt Saul Goodman, einer Nebenfigur aus Breaking Bad widmet, ist ganz großartig.

Platz 2: Game of Thrones

Game of ThronesWir könnten stundenlang diskutieren, ob die Bücher (hab alle gelesen) oder die Serie besser sind bzw. ist. Wir können uns das aber auch sparen, denn die genialen Bücher wurden einfach kongenial verfilmt. Liebe und Intrige, Mord und Totschlag, Macht und Ohnmacht in einer fiktiven mittelalterlichen Welt mit (erfreulich dezenten) phantastischen Elementen (denn Fantasy ist eigentlich nicht so meins).

Platz 3: The Walking Dead

Walking DeadNichts für schwache Nerven. Aber ich hatte schon immer ein Faible für Zombie-Filme. Und in The Walking Dead geht es nur vordergründig um den Ausbruch einer Seuche, die nach und nach (fast) alle Menschen in Zombies verwandelt. In Wahrheit geht es darum, wie sich Menschen in Extremsituationen verhalten, wie man sich nach und nach verändert, wenn es ums nackte Überleben geht, und was unter diesen Umständen von Konventionen, Moral und Zusammenhalt übrig bleibt. (Und ein paar Liter Blut fließen natürlich auch.)

Platz 4: House of Cards

House of CardsGroßartige gemeine Polit-Unterhaltung. Ein US-Politiker auf dem Weg zur Macht. Kevin Spacey spielt die Hauptrolle, das ist ohnehin einer meiner Lieblings-Schauspieler. Man muss diese Serie nicht nur sehen, weil man dann in einigen Jahren erzählen kann, man sei bei diesem disruptiven Ereignis dabei gewesen (die Serie wurde nicht von einem TV-Sender oder einem etablierten Studio produziert, sondern von der Online-Videothek Netflix). Man muss sie auch sehen, weil sie so verdammt gut und unterhaltsam ist, vor allem die erste Staffel. (Und für alle Freunde von Brechts epischem Theater: So sieht das in modern aus!)

Platz 5: Boardwalk Empire

Boardwalk EmpireEbenfalls Politik, noch ein Lieblingsschauspieler: Steve Buscemi spielt einen korrupten, kriminellen, intriganten, durchtriebenen Politiker, den man als Zuschauer trotz oder gerade wegen dieser Eigenschaften sofort ins Herz schließt. Doch Boardwalk Empire spielt etwa 90 Jahre früher als House of Cards, zu Beginn der Prohibition, jenem grandios wirkungsvollen Nährboden für die organisierte Kriminalität in Amerika.

Platz 6: Mad Men

Mad MenGroße und kleine Dramen in der Werbebranche der USA in den 60er Jahren. Klingt harmlos und etwas speziell, ist aber beste Unterhaltung. Wie sich Don Draper und seine Kollegen durch die 60er saufen und rauchen, muss man sich anschauen. Zum einen weil diese Epoche noch nie besser und akribischer dargestellt wurde. Zum anderen weil das Drehbuch mit seinen zahllosen Haupt- und Nebenfiguren grandios ist.  Wie bei allen guten Serien: Kaum hört man die Musik, kaum sieht man die ersten Bilder des Vorspanns, beginnt die Sucht bei jeder Staffel von Neuem …

Platz 7: Fargo

FargoEine wunderbar skurrile Tragikomödie, die nur lose ans Original von 1996 anknüpft. Aber alles, was ich am Film gemocht habe, ist wieder da: dieser spezielle Way of Life im ländlichen Minnesota, der schwarze Humor, der Ritter von der traurigen Gestalt als Hauptfigur (hier ein Versicherungsverkäufer, im Film ein Autohändler), der rührend und völlig vergeblich versucht, den Schlamassel seines Lebens in den Griff zu bekommen … Das ist wirklich großes Kino in Serienform.

Platz 8: Homeland

HomelandHier geht es um den „Krieg gegen den Terror“, den die USA in aller Welt führen, der aber auch in die USA getragen wird. Die Handlung dreht sich um einen US-Soldaten, der im Irak verschleppt und jahrelang gefangen gehalten wurde. Als er wieder frei und in die USA zurück kommt, stellt sich bald die Frage: Wurde er „umgedreht“ und plant nun einen Anschlag in den USA? Oder hat die CIA-Agentin, die das vermutet, nicht mehr alle Tassen im Schrank? Der Verdacht liegt nahe, da sie eine bipolare Störung hat. Das ist das Schöne an diesen modernen Serien: Vieles ist uneindeutig, wer Held ist und wer nicht, ist oft unklar, und die Welt ist alles andere als Schwarz-Weiß.

Kommen wir nun zu etwas älteren Serien …

Platz 9: Lost

Lost6 Staffeln, 121 Folgen … Von 2004 bis 2010 war Lost das Nonplusultra in Sachen Mystery-Serie. Ein Flugzeug stürzt ab, einige Überlebende warten auf einer einsamen Insel auf ihre Rettung. Und bald stellt sich heraus, dass nichts Zufall ist und alles mit allem zusammenhängt, so merkwürdig es anfangs auch erscheinen mag. Die Serie wird im Lauf der Zeit immer komplexer, springt in der Zeit hin und her, blickt in Vergangenheit und Zukunft – und ist einfach sehr spannend und sehr gut gemacht. Kein Wunder: J.J. Abrams, der sich das Ganze ausgedacht hat, ist ein kleines Genie, das inzwischen Star Trek wiederbelebt hat und das Gleiche nun mit Star Wars versuchen wird …

Platz 10: 24

24Für mich die Mutter der modernen Serien. 24 hat gezeigt, wie albern es ist, eine gute Geschichte in 45 Minuten erzählen zu wollen. 24 war eine der ersten Serien, die sich konsequent von abgeschlossenen Episoden verabschiedet und statt dessen auf einen langen Spannungsbogen gesetzt hat: 24 mal 45 Minuten genauer gesagt, so lange muss man aushalten und durchhalten. Und das fiel früher schwer, als es noch kein Binge Watching gab und man Woche für Woche auf die nächste Folge warten musste. Denn die Macher von 24 waren auch Meister im Konstruieren von Cliffhangern. Dazu natürlich das damals sehr innovative Echtzeit-Prinzip, nachdem Erzählzeit und erzählte Zeit deckungsgleich sind. Und  eine Handlung rund um böse Terroristen und gute (und böse) Agenten, die perfekt in die Zeit nach 2001 passte.

Platz 11: The Wire

The WireEigentlich geht es ganz simpel um Cops, die Drogendelikte und Morde in Baltimore aufzuklären versuchen. Uneigentlich ist aber gar nichts simpel in dieser Serie. Es gibt kein Schwarz und Weiß, keine Guten und Bösen, keine Gewinner und Verlierer. The Wire ist spannend, anspruchsvoll, unterhaltsam, realistisch, sehr komplex – und das in einer Mischung, die so leicht nicht hinzubekommen ist. Mit anderen Worten: Sie ist Lichtjahre vom deutschen Freitag-Abend-Krimi entfernt, der es nicht mal schafft, eins davon zu sein. Die erste Staffel wurde im Jahr 2002 produziert, und tatsächlich wirkt die Serie optisch schon ein kleines bisschen angestaubt.

To be continued …

So, jetzt kennt ihr meinen Seriengeschmack. Ideen und Tipps, was mir noch gefallen könnte? Rein in die Kommentare bitte! Und hier noch eine hübsche Unterscheidung zwischen sehr guten und mittelguten amerikanischen Serien.

Bildnachweis: Wikipedia

13 Gedanken zu “Lieblingsserien

  1. Mir hat „Bates Motel“ schlaflose Nächte bereitet. Es handelt sich letztlich um die Vorgeschichte zu den „Psycho“-Filmen, die aber – künstlerische und dramaturgische Freiheit – in der Gegenwart spielt (es gibt Smartphones). Spannend ist gar kein Ausdruck, die Figuren handeln in einem riesigen Spannungsbogen innerhalb teils pathologischer Motivationsrahmen. Nur ein scheinbarer Widerspruch zu diesem Spannungsbogen und das eigentlich Fiese ist: Wie in „Titanic“ sieht man das Ganze fassungslos und ohne ein Fünkchen Hoffnung, weil man weiß, worauf es hinausläuft.

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  2. Und wenn Dir Zombieserien gefallen und es nicht unbedingt eine amerikanische Serie sein muss, hätte ich noch den Tip „the returned“. Das französische Original heißt „les revenants“, es geht um wiederkehrende Verstorbene in einem französischem Alpenkaff, in dem auch ein Serienmörder verzombt zurückkommt. Irgendwie anzusiedeln ist die Serie in der Mitte zwischen Klassischem Zombismus und kasachischem Autorenkino. :-)

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  3. Auch eine Serie mit absolutem Suchtpotenzial war für mich ‚Six feet under‘ – 2001-2005 in fünf Staffeln gedreht und in einem familiengeführten Bestattungsinstitut in Los Angeles angesiedelt. Ein größerer Kreis sich entwickelnder Charaktere in ganz verschiedenen Lebensphasen mit – ich muss es sagen: dem ergreifendsten Serienfinale ever. Die Themen, die verhandelt werden, muten heute, zehn Jahre später, unter Umständen etwas überholt an (z.B. das Coming out eines Schwulen oder Sex im Alter, aber die Sensibilität, mit der es geschieht, ist nach wie vor absolut sehenswert.

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  4. […] Und weil das hier euer freundlicher Service-Blog ist, habe ich in Sachen Serien in den letzten Monaten keine Mühen gescheut. Hier ein paar Tipps für den Serien-Herbst: Was ihr schauen solltet und was eher nicht. PS: Hier findet ihr nur Serien, deren erste Staffel ich mir angeschaut habe. Neue Staffeln von etablierten Serien würden den Rahmen sprengen. Und die Serien-Bestenliste findet ihr nach wie vor hier. […]

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