DPD – Depperter Paketdienst

Bei meinen vielen Internet-Bestellungen grenzt es an ein Wunder, dass es noch nie Probleme gab. Bis jetzt. Auftritt: Der Deutsche Paketdienst …

Wobei DPD gar nicht mehr für Deutscher Paketdienst steht, wie ich im Internet lernte, sondern für Dynamic Parcel Distribution. Dynamisch … na ja. Unter dynamischer Paketverteilung stelle ich mir was anderes vor. Aber der Reihe nach:

Im DPD-Bermuda Dreieck

Das Kind hatte im Januar Geburtstag und wünschte sich die zur Playstation passende VR-Brille von Sony. Über einen Amazon-Händler war das Ding schnell bestellt und auf die Reise gebracht. Die Liefer-Dynamik von DPD endete aber vorläufig im Verteilerzentrum Nürnberg. Dort bewegtes sich das Paket, wenn man der digitalen Sendungsverfolgung trauen durfte, keinen Millimeter weiter – Tage und Wochen. Es lag dort wie festgetackert.

Der Geburtstag kam und ging, das Paket lag immer noch in Nürnberg. Ein Anruf bei DPD endete nach 15 Minuten nervtötender Warteschleifen-Musik mangels Geduld des Anrufers. Eine E-Mail an DPD blieb unbeantwortet und verschwand wahrscheinlich ebenso im DPD-Bermuda-Dreieck wie das Paket.

Also gut, kein Paket in Erlangen, Einkauf über Amazon storniert, VR-Brille bei einem anderen Händler gekauft, flott geliefert mit DHL von der guten alten Post. Das hätte das Ende der Geschichte sein können … Aber:

Spät kommt es, doch es kommt!

Ein Anruf des Händlers, bei dem ich die verloren gegangene Brille ursprünglich gekauft habe: Von DPD sei eine Nachricht gekommen. Das Paket sei wieder aufgetaucht und nun (etwa einen Monat nach der Bestellung!) unterwegs zu mir, ob ich es noch haben wolle. Antwort: nein, danke. Ok, kein Problem, ich möge dann die Annahme verweigern, dann ginge das Paket stante pede wieder zum Händler zurück.

Wie gerne hätte ich die Annahme verweigert, aber ich hatte die Rechnung ohne DPD gemacht. Die haben das Paket nämlich nicht bei mir abzugeben versucht, sondern bei Nachbarn. Die waren nicht da, also bekamen sie eine Benachrichtigung in den Briefkasten, sie mögen das Paket bei der „Tip Top Reinigung“ (im Nebenberuf: DPD-Paketshop) abholen. Nichts böses ahnend, taten sie das, wunderten sich, dass das Paket gar nicht für sie war und brachten es mir freundlicherweise nach Hause.

Von Kunden und Paketabholern

Exkurs: Dass Paketdienste sämtliche eigene Filialen geschlossen haben und statt dessen irgendwelche Ecken in irgendwelchen Reinigungen, Tankstellen, Blumenläden oder Getränkemärkten für geeignete Touchpoints zum Kunden hin halten, dürfte bekannt sein. Der Paketdienst spart Kosten (was bei DPD sicher unbedingt nötig ist: 6,8 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr), der Kunde wird aber leider zum Kunden zweiten und dritten Grades degradiert, schließlich will er nicht saubere Wäsche, Benzin, Blumen oder Getränke abholen, sondern nur ein Paket aus der Ecke hinten im Laden. Die Sorgen und Nöte eines Paketabholers sind der sicher herausragend qualifizierten und im Umgang mit kritischen Kunden bestens geschulten Textilpflegerin leider scheißegal.

Genauso scheißegal ist es ihr, wem sie das Paket in die Hand drückt, das da hinten in der Ecke liegt, auch wenn der Name des Abholers nicht mit dem des Empfängers auf dem Paket übereinstimmt, was soll‘s, Hauptsache es ist weg. Und dreimal scheißegal ist es ihr, wenn der rechtmäßige Besitzer des Pakets anschließend kommt und versucht zu erklären, dass man eigentlich die Annahme verweigert wollte, wenn man nur die Chance dazu gehabt hätte, was der Nachbar nicht wissen konnte, dem man das Paket gar nicht hätte aushändigen dürfen … Nun gut, der Fall kam in der 30-minütigen Online-Weiterbildung zur nebenberuflichen Paketshop-Besitzerin vermutlich nicht vor. Und überhaupt: zu viel Konjunktiv für unsere Textilpflegerin.

Wenn die Kunden egal sind …

Wie dem auch sei. Das verirrte Paket war schließlich angekommen. Das bot immerhin die Gelegenheit einen Blick auf und in selbiges zu werfen, was den ohnehin schon schillernden Eindruck, den man von DPD bekommen konnte (Unzuverlässigkeit, Scheißegal-Haltung, Unfreundlichkeit) eine weitere Facette hinzufügte: Man hat ein Problem mit kriminellen Mitarbeitern. Denn das Paket lag wohl doch nicht einen Monat lang wie festgetackert im Nürnberger Verteilerzentrum. Es war statt dessen offensichtlich geöffnet und die VR-Brille eine Weile lang benutzt worden. Nach vier Wochen hat man ja mal alle wesentlichen Features kennen gelernt und alle relevanten Spiele durchgespielt, da kann man das Paket ja notdürftig wieder zukleben und auf die Weiterreise zum Endkunden schicken. Was sind schon vier Wochen hin oder her und ein paar Gebrauchsspuren mehr oder weniger …

Fazit: Bei einem Unternehmen, dem die Kunden egal sind, arbeiten logischerweise auch Menschen, denen die Kunden egal sind. In Summe gibt das rotzige, unzuverlässige, dreiste Dienstleistungen, die weder etwas mit Dienst noch mit Leistungen zu tun haben und um die wir als Kunden einen weiten Bogen machen sollten.

9 Gedanken zu “DPD – Depperter Paketdienst

  1. Lieber Herr Buggisch, da ist Ihnen ja ein drastisches Beispiel von Ignoranz des Kunden widerfahren. Sie kennen das aus dem Unternehmen, in dem Sie arbeiten, sicher nicht. Aber was ist jetzt Ihre Reaktion? Wie stellen Sie sicher, dass Sie von diesem Paketdienst nicht mehr beliefert werden? Beste Grüße und eine reklamationsfreie Woche! Ihr Siegbert Rudolph

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  2. Das Hauptproblem ist aber – bei allen Paketdiensten – das man als Empfänger nicht der Kunde ist. Der Vertrag wurde mit dem Versender geschlossen, d.h. nur der kann wirklich Druck machen, Schadensersatz fordern etc.Als Empfänger muss man das mit dem Verkäufer klären – und der hat oft auch keinen Nerv für sowas.

    Zur Umgehung von solchen Problemen bestelle ich nur bei Shops. die an Packstationen liefern. Das kann nur DHL :)
    Wahlweise ist auch UPS ok, da hatten wir bisher auch nur anständig arbeitende Fahrer und einen gute Abstimmung über die Service-Nummer.

    Aber Hermes, DPD, GP usw. umgehe ich auf die Art sehr zielgerichtet.

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  3. Ja, das ist so. Als Käufer sehe ich (glaube ich) oft gar nicht, mit welchem Paketdienst der Händler zusammenarbeitet, bei dem ich bestellt habe. Oder ich habe mich noch nie darum gekümmert. Ich werde künftig mehr darauf achten und in jedem Fall versuchen, Händler mit DPD-Versand zu meiden. Wobei ich mir relativ sicher bin, dass man schlechte Erfahrungen auch mit anderen Anbietern machen kann. Das ganze System ist einfach problematisch: Niedrigpreis-Leistung, Niedrig-Löhne etc.

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    • Natürlich gibt es systemimmanente Effekte. DHL und UPS zählen aber immer noch zu den „besseren“…

      Und ja, Probleme kann es überall geben. Aber das Risiko sinkt, wenn man bei einem Anbieter ist der zu den „Besserbezahlenden“ gehört.

      Wie verschickt wird erkennt man oft an den Versandbedingungen, wer DHL anbietet schreibt das meiner Erfahrung nach immer hin (auch wg. Versand an Packstation). Und ich erlebe auch vermehrt Shops, die ausdrücklich das DHL-Logo platzieren. Und wenn ich es wirklich nicht rausbekomme überlege ich mir sehr genau, wie viel Aufwand ich investieren will um an mein Paket zu kommen – wann ich zur Packstation fahre kann ich beeinflussen; die Anwesenheit der Nachbarn nicht….

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      • Es wäre auf jeden Fall sehr zu begrüßen, wenn sich (mindestens) ein Anbieter in diesem Me too-Geschäft versuchen würde durch Qualität und guten Kundenservice hervorzuheben. Und ja, ich glaube auch, dass das am ehesten DHL ist …

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  4. Ich kann das 1:1 bestätigen, was Du über dpd schreibst. Ich habe bei einem Unternehmen in UK etwas bestellt, das per dpd zugestellt werden sollte. Obwohl ich zuhause war, wurde das Paket nicht zugestellt. Es war auch keine Karte im Briefkasten, ergo, der Fahrer war gar nicht da. Ich musste dazu in die 7 km entfernte Abholstation fahren (Textilreinigungsfirma). Eine Beschwerde dort anzubringen, ist wenig sinnvoll. Ich schrieb dann den Versender an und bat darum, die Transportkosten zu reduzieren. Vollmundig wurde versprochen, dass man das zusammen mit dpd hinbekäme. Nach drei weiteren Nachfragen, war das hinfällig oder vergessen.
    Fazit: vorher klären, wer das Paket versendet. Wenn es dpd ist, am besten nicht bestellen.

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  5. Kann die schlechten Erfahrungen mit DPD nur bestätigen. Da wird ein hochwertiges Laptop einfach vor die Tür gelegt, frei zugänglich für alle, die zufällig vorbeikommen.
    Hermes ist keinen Deut besser. Man gibt als Wunschadresse einen Hermes-Shop in einer Tankstelle an, weil die 24 h rund um die Uhr geöffnet hat. Den Hermes-Boten interessiert das einen feuchten Kehricht. Er kommt drei Tage hintereinander an die Wohn-, weil Rechnungsadresse und lässt am dritten Tag das Paket beim Nachbarn. Selbstredend, ohne eine Nachricht im Briefkasten zu hinterlassen.
    Ich bestelle nur noch, wenn Lieferung über DHL möglich ist, und dann nur an die Packstation. Damit habe ich nur gute Erfahrungen gemacht.

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  6. Eijeijei! Und ich dachte immer, der Götterbote sei der Schlimmste:
    https://querdenkmal.net/2015/07/22/sagen-haft-vom-hermes-zum-odysseus-in-nur-zwei-tagen/

    Übrigens: Wer im 2. Stock wohnt, hat bei allen Paketdiensten einschl. DHL schon verloren. Da wird eben bei der freundlichen ‘Postannahmestelle’ im EG geklingelt, obwohl die freundliche Dame auch nicht schneller an der Haustür ist als ich.
    Packstation oder Paketshop nützen mir übrigens nichts, weil ich oft sperrige, schwere Pakete empfange, die ich nicht weit schleppen kann – was natürlich die Nichtauslieferungs-Motivation der ‘Dienste’ erst recht steigert.

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  7. Es mag wohl sein, dass die öffentlichen Dienste Bahn und Post früher manchmal etwas schwerfällig waren. Nun erleben wir, wohin alle euphorische Liberalisierung, Deregulierung und Privatisierung – auch bei Energie, Medien und Kommunikation, Bildung und Gesundheit – geführt hat. Gewinne aus ausgewählten Standard-Diensten für private Großunternehmen, den Rest trägt die Öffentlichkeit. Früher hatten beamtete Briefträger auch im Alter ihr Auskommen; heute und morgen werden die Niedriglöhner in diesen Jobs öffentlich aufgestockt werden müssen, während der Rahm woanders abgeschöpft wurde. Bei der EU-Wahl wird auch an dies zu denken sein. Viele Grüße

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