2020, du Biest

Tja, was soll man noch schreiben über dieses Jahr? Ist doch eigentlich alles gesagt. Corona-müde haken wir es ab und hoffen auf 2021 …

Wollen wir zum Abschluss nochmal über Corona reden? Nein, wollen wir nicht. Das haben wir zur Genüge getan. Von den 36 Blogbeiträgen des Jahres 2020 drehten sich 15 um Corona. Das ist schon eine inhaltliche Einseitigkeit, wie es sie hier noch nicht gab. Ich hoffe, wir können die Perspektive 2021 wieder etwas erweitern, wenngleich uns ganz sicher noch ein paar harte Wochen und Monate rund um das eine Thema bevorstehen. Denn die Impfungen kommen nur langsam, das Wetter bleibt virenfreundlich und die Lust auf Lockdown wird nicht zunehmen.

Die Tugend 2020: Verzicht aus Solidarität

Ach kommt, doch noch zwei Sätze zu Corona: Was uns die Pandemie im Jahr 2020 gesellschaftlich (nicht epidemiologisch, medizinisch, wirtschaftlich etc.) abverlangt hat, war ja vor allem dieses: Verzicht aus Solidarität. Kein Weihnachten mit den Liebsten, keine Party mit Freunden, keine Reisen, keine Events, keine Live-Kultur … Weniger um uns selbst zu schützen, sondern die Generation 80+ und all jene, die mit irgendwelchen „Vorerkrankungen“ (eines der vielen Lieblings-Wörter 2020) unter uns leben.

Diese Tugend „Verzicht aus Solidarität“ haben wir 2020 so mittelgut zum Maßstab unseres Handelns gemacht, würde ich sagen. Einige gar nicht (wer auf ein Stück Stoff vor Mund und Nase verzichten will, weil er seine Freiheit dadurch bedroht sieht, oder auf eine kleine Spritze, weil er lieber andere die Herdenimmunisierung erledigen lassen will, ist halt ein egomanischer Solidaritäts-Verweigerer). Einige mit Aussetzern (in der Regel Abstand, Maske und Hygiene, aber dann halt doch noch schnell ins Shopping-Erlebnis kurz vor Weihnachten stürzen oder ein kleines Superspreader-Event am Skilift feiern).

Auf jeden Fall wird das Konzept „Verzicht aus Solidarität“ 2021 einer noch härteren Prüfung unterzogen werden. Denn mit einer steigenden Zahl an Impfungen wird die Zahl der Toten ebenso sinken wie die Bereitschaft, weiterhin Verzicht zu üben. „Jetzt muss mal Schluss sein mit den Einschränkungen!“ Dieser Satz wird 2021 völlig zu Recht geäußert werden, die Frage ist nur wann. Wenn die Generation 80+ durchgeimpft ist und „nur“ noch über 70-Jährige (in geringerer Zahl) an Corona sterben? Wenn alle Alten dank Impfung aus dem Spiel genommen sind und nur noch wir Normalos mit und ohne Vorerkrankungen (in noch geringerer Zahl) auf den Intensivstationen landen? Wann genau akzeptieren wir Corona-Opfer als Normalität, weil der Tod nun mal ein Teil des Lebens ist? Das könnte man seriös und mit Gewinn für die Gesellschaft diskutieren, aber ich habe den leisen Verdacht, dass die Debatte eher unerfreulich wird.

Wünsche für 2020 und was aus ihnen wurde

Ein Blick auf den Jahresrückblick 2019 zeigt, dass es keine gute Idee ist, sich allzu viel fürs neue Jahr zu wünschen. „Gesundheit für alle, die uns nahe sind“, hatte ich mir für 2020 gewünscht. Na ja. „Keine unnötigen Sport-Verletzungen und weiter so viel Gaudi mit meinen Kursteilnehmern“. Immerhin, Sport-Verletzungen gab’s keine, aber die Gaudi beim Indoor-Cycling war auf wenige Wochen beschränkt, der Rest fiel den diversen Lockdowns zum Opfer.

„Mehr schöne Reisen“, war noch so ein Wunsch. Immerhin, im Sommer waren wir einsam wandernd in den Bergen unterwegs, und es war sehr schön. Alles Weitere (unter anderem Reisen nach Frankreich, Spanien und ins Allgäu) … Lockdowns, ihr wisst schon. „Mehr Gelassenheit, Ernsthaftigkeit und Ambiguitätstoleranz“ bei (digitalen) Debatten. Puh. Ich glaube, ich wusste schon 2019, dass dieser Wunsch wenig Aussicht auf Erfüllung hatte.

Sehr viele Schritte

Apropos Sport. Ihr wisst ja, ich bin „ein geradezu zwanghafter Statistik-Fanatiker in Sachen Sport“ (Zitat aus dem 2019er Jahresrückblick). Das Corona- und Lockdown-Jahr drohte sportlich zu einem Debakel zu werden: zu wenig verbrauchte Kalorien, zu viel Spaß am Kochen, zu viel To go-Essen, um die Locals zu supporten.

Aber zumindest in dieser Hinsicht wurde alles gut. Am Ende des Jahres 2020 stehen rund 470 Stunden Sport auf dem Zettel, knapp 100 mehr als im Vorjahr. Das liegt vor allem an den vielen Wanderungen in der nahen Umgebung, wir hatten einen fast schon beängstigenden Drang, an die frische Luft zu gehen, damit uns das Dach nicht auf den Kopf fällt. Es liegt aber natürlich auch an unserem neuen Familienmitglied auf vier Pfoten – einer der Lichtblicke 2020. 3,8 Millionen Schritte hat der Fitness-Tracker 2020 gemessen, das sind rund 300.000 pro Monat und rund 25 Prozent mehr als 2019.

Überleben im Lockdown (Dezember-Edition)

Da bekanntlich auch im Dezember Lockdown war (und zwar nicht mehr light), schulde ich euch noch den fotografischen Rückblick auf diesen letzten Lockdown-Monat des Jahres. (Ihr erinnert euch an meine Instagram-Challenge: jeden Tag ein „Überleben im Lockdown“-Foto.) Zuvor aber: Danke fürs Mitlesen in diesem inzwischen 10 Jahre alten Blog! Macht’s gut, fühlt euch umarmt und mögen eure Wünsche für 2021 in Erfüllung gehen!

3 Gedanken zu “2020, du Biest

  1. Guten Morgen lieber Christian,

    Dein Blog war einer der wenigen Lichtblicke in der Medienlandschaft. Die Medien versagen leider in 2020 kolossal. Ich möchte an dieser Stelle auf die Kolumne von Thomas Fischer verweisen, der das in seinem letzten Beitrag „Oh, Verzeihung!“ (https://www.spiegel.de/panorama/justiz/weihnachten-2020-politiker-virologen-gerichte-entschuldigen-sich-wofuer-a-3b1edf99-7497-43ed-b0f7-5bbd952b177d) meines Erachtens sehr schön zusammengefasst hat. Ein etwas längeres Zitat unter dem Abschnitt „Nachrichtenlage“ hieraus:

    „Was mir seit zehn Monaten wirklich auf die Nerven geht, ist die Larmoyanz der routinierten Mäkelei und die hämisch-denunziatorische, vorgeblich »kritische« Berichterstattung, die sich leider oft in einer bloßen Pose erschöpft, einer Simulation dessen, was als »kritisches Hinterfragen« gelten soll. […]

    Können Sie, so fragt die TV-Journalistin den Minister, zu 100 Prozent ausschließen, dass die neue Virusvariante schon in Deutschland ist? Nein, sagt der Minister, natürlich nicht. Hätte man nicht früher vorsorgen sollen?, fragt die Journalistin. Hinterher ist man immer schlauer, sagt der Minister, wie hätte man denn vorsorgen sollen? Hätte man nicht die Grenzen früher schließen müssen, fragt die Journalistin. Ja, vielleicht, sagt der Minister. Aber ließe sich das Virus denn durch eine Grenzschließung überhaupt aufhalten?, fragt die Journalistin. Nein, natürlich nicht, sagt der Minister. Sind die Beschränkungen des Reiseverkehrs dann nicht falsch?, fragt die Journalistin. Nein, sagt der Minister. Wie wollen Sie den Fernfahrern denn erklären, dass sie Weihnachten im Stau stehen müssen?, fragt die Journalistin. Man kann nicht alles vorher wissen, sagt der Minister. Aber ist nicht das die Aufgabe der Politik?, fragt die Journalistin. Die Aufgabe ist nicht, das Unmögliche zu können, sagt der Minister. Stehen genug Finanzhilfen bereit?, fragt die Journalistin. Ja, sagt der Minister. Aber ist es nicht unseriös, so viele Schulden zu machen?, fragt die Journalistin. Was sollen wir denn sonst tun?, fragt der Minister. Wie lange wird das noch so weitergehen?, fragt die Journalistin. So lange, wie es sein muss, sagt der Minister. Vielen Dank, Herr Minister, sagt die Journalistin. Die Politik, meine Damen und Herren, ist ratlos. Kann sich der Minister noch lange halten? Vielen Dank, Sender!

    […] Sodann die Investigativserie: Warum wurden überflüssige Masken bestellt? Folge zwei: Wieso sind zu wenig Masken da? Teil drei: Warum Masken nichts nützen. Teil vier: Neue Gefahren durch Maskenverzicht. Teil fünf: Wie die Wissenschaft versagt. Teil sechs: Ja was denn nun? – Verwirrung um Masken.“

    Diese sog. differenzierte Berichterstattung geht mir mittlerweile auch extrem auf den Geist. Diese Form der Berichterstattung ist nicht differenziert, sie ist undifferenziert und unverhältnismäßig. Die Nachrichten widersprechen sich laufend von Tag zu Tag, weil sie alles unreflektiert sofort senden. Sie tragen zu einem erheblichen Anteil dazu bei, dass viele Menschen nicht mehr wissen, was sie glauben sollen.

    Warum müssen ständig und immer wieder die gleichen Bilder gesendet werden, wo den Leuten Wattestäbchen in die Nasen gestochen, oder die Impfungen (gestern wieder in einem Beitrag mehr als zehn mal – also das Stechen mit einer Nadel in den Körper) gezeigt werden. Das mag jetzt seltsam klingen, aber mir bereiten solche Bilder Unbehagen, denn es ist etwas sehr Persönliches zwischen medizinischem Personal und Patient, das man nicht in die Welt hinaus senden muss. Außerdem ist der Informationsgehalt ziemlich genau Null. Aber das ist meine persönliche Auffassung. Das ist so ähnlich wie die Diskussion um die Digitalisierung in der Schule, wo jedes mal wieder Bilder von Tablet-PCs gezeigt werden und die Diskussion sich ausschließlich darum dreht, dass Schulen Tablets anschaffen sollen. Man kann nur hoffen, dass die Eltern nun wissen, dass die Tablets bei der Digitalisierung der Schule das Allerletzte sind, was man braucht, Stichwort digitale Kompetenz. Und man muss hoffen, dass Journalisten Eltern sind. Dann könnte es funktionieren.

    Zum Schluss die positiven Dinge: Das Jahr geht insgesamt gut zu Ende. Ich gehörte zu den „Glücklichen“, die weiterhin arbeiten konnten / durften. In meinem Umfeld gab es keine Betroffenen, die sich infiziert hätten oder erkrankt wären. Die meisten Menschen, die ich kenne, sind vernünftig. Ich konnte die ruhigere Zeit des Jahres nutzen und zwei berufliche Fortbildungen online machen. Ich habe dieses Jahr sehr viel Zeit und auch etwas Geld für mein Hobby (Astronomie und Astrofotografie) investiert. Es macht Spaß, Dinge zu beobachten, die jenseits menschlichen Einflusses stehen, und die wir immer wieder nur staunend, ungläubig, fragend und fasziniert hinnehmen müssen. Wir konnten im Juni noch in die Toskana fahren und ein paar wunderschöne Tage genießen. Zurzeit läuft die Darts WM und ich nehme alle Spiele auf und kann so die lästige Werbung überspringen und die wirklich guten Spiele und die meiner Favoriten sehen. Ich freue mich auf ein sehr ruhiges Silvester. Wir werden uns kurz mit Freunden zum Essen treffen und ab 20:15 Uhr wieder alleine sein.

    Nun wünsche ich auch Dir und Deiner Familie alles Gute fürs neue Jahr. Kommt gut rüber und hoffentlich schreibst Du auch nächstes Jahr noch :-)

    Viele Grüße!

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