Enterprise 2.0 - Social Media als Seismograph im Unternehmen

Enterprise 2.0 – Social Media als Seismograph im Unternehmen

Social Media verändern Unternehmen. Und zwar nicht nur in der externen Kommunikation, in der Art und Weise, wie man Kunden und Interessenten begegnet. Sondern zunehmend auch intern. Ein Beispiel aus der eigenen Praxis …

Wer die jüngste Deutschland-Studie von Gallup liest, muss sich Sorgen machen: Nur 15 Prozent der Mitarbeiter in deutschen Unternehmen sind motiviert. 61 Prozent der Mitarbeiter machen Dienst nach Vorschrift. Und 24 Prozent haben innerlich bereits gekündigt. Bis zu 140 Milliarden Euro gehen deutschen Unternehmen jedes Jahr allein durch die Demotivation der Mitarbeiter verloren. Es reicht also nicht, sich als Arbeitgeber bestmöglich zu präsentieren und die besten Mitarbeiter zu rekrutieren (was bei vielen Unternehmen inzwischen ganz oben auf der Agenda steht). Mindestens ebenso wichtig ist es, die vorhandenen Mitarbeiter zu binden und zu motivieren – oder sagen wir es noch deutlicher: für ihre Arbeit zu begeistern.

Emotionale Bindung laut Gallup-Studie
Gallup Engagement Index

Motivation speist sich aus vielen Quellen, eine davon ist, wie man im Unternehmen miteinander umgeht. Gibt es abgeschottete Silos, starre Hierarchien und viel Kontrolle, dient Information als Machtmittel, gilt Widerspruch als Rebellion? Oder wird offen und ehrlich miteinander umgegangen, schätzt man Meinungsaustausch und -vielfalt, fördert kurze Wege und schnellen Informationsfluss über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg?

Offenheit und Austausch, um erfolgreich zu sein

In Wahrheit finden sich diese beiden Extreme selten in Unternehmen, statt Schwarz/Weiß gibt es viele feine Grauschattierungen. Und es gibt immer mehr Unternehmen, die Transparenz, Offenheit und Austausch fördern wollen. Nicht weil man das irgendwie schöner und netter findet, sondern aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen. Es geht um Innovationsfähigkeit, das Ablegen von Scheuklappen, kürzere Wege, schnellere Entscheidungen, das Teilen von Wissen, das Finden von Experten, mehr Effizienz, größere Motivation, kurz: die Zukunft der Arbeit.

Solche Veränderungen passieren nicht von heute auf morgen, sie brauchen Zeit. Und solche Veränderungen sind keine Frage von Technologie – wohl gibt es aber Technologie, die solche Veränderungen unterstützt und vorantreibt: Plattformen, die die digitale Zusammenarbeit, Vernetzung und Kommunikation erleichtern. Immer mehr Unternehmen führen daher „Social Software“ wie MS Sharepoint, IBM Connections, Yammer, Jive oder tibbr ein.

Solche Plattformen sind oft mächtig, komplex – und daher für viele auch ein wenig abschreckend. Gefragt sind daher Szenarien und Fallbeispiele – neudeutsch Use Cases –, die das Unternehmen einerseits auf dem eingeschlagenen Weg voranbringen und den Mitarbeitern andererseits die Vorzüge der neuen Kollaborations- und Kommunikationsmöglichkeiten verdeutlichen. Auf einen solchen Use Case aus dem Hause DATEV möchte ich im Folgenden kurz eingehen.

7.000 Mitarbeiter fragen – der Vorstand antwortet

Nachgefragt LogoBasierend auf Sharepoint und inspiriert von „Direkt zu Obermann“ der Deutschen Telekom haben wir vor einem halben Jahr das Tool Nachgefragt! gelauncht. Es funktioniert so: Alle Mitarbeiter können über eine Eingabemaske Fragen stellen, die dann direkt vom Vorstand beantwortet werden. Um die wichtigsten Fragen zu identifizieren, können wiederum alle Mitarbeiter diese über einen „Gefällt mir“-Button bewerten. Eine Frage- und Bewertungsrunde dauert ein Quartal, danach folgen die Antworten auf die Fragen mit den meisten „Gefällt mir“-Klicks. Diese Antworten haben wir teils als Video-Botschaften aufgenommen, größtenteils posten die Vorstände ihre Antworten aber direkt in einem Antworten-Blog.

Nur Fragen und Antworten wären aber noch zu wenig Austausch gewesen. Daher können die Blogbeiträge der Vorstände (natürlich) kommentiert werden. außerdem gibt es ein Diskussionsforum im Rahmen von Nachgefragt!, in das automatisch alle neuen Fragen als Beiträge gepostet werden. Hier können die Fragen sofort, ohne Wartezeit bis Quartalsende, diskutiert, kommentiert und zum Teil auch schon beantwortet werden (denn es gibt auch Fragen zu Kantine und Kaffeemaschine, die nicht unbedingt durch den Vorstand beantwortet werden müssen).

Nachgefragt! als Unternehmens-Seismograph

Nachgefragt bei DATEVZum Start von Nachgefragt! waren wir etwas unsicher, wie die Mitarbeiter das neue Tool annehmen würden. Was, wenn es nur wenige Fragen und wenig Rating geben würde? Würden wir die Plattform über internes Marketing pushen müssen? Doch die Bedenken waren völlig unnötig, das Tool schlug ein wie eine Bombe und traf offensichtlich einen Nerv im Unternehmen. Nach zwei Wochen gab es bereits 267 Fragen, die „wichtigste“ Frage hatte über 1.000 „Gefällt mir“-Klicks, die Einstiegsseite zu Nachgefragt! war bereits 40.000 mal aufgerufen worden. Stand heute gibt es über 200.000 Zugriffe auf die Seite.

Der Bedarf zum direkten Austausch mit dem Vorstand im Unternehmen mit inzwischen 7.000 Mitarbeitern war und ist offensichtlich riesig – und lässt sich durch Nachgefragt! gut decken. Was mir dabei besonders gut gefällt: Nachgefragt! funktioniert nicht nur in eine Richtung, ermöglicht nicht nur den Mitarbeitern einen direkten Draht zum Vorstand. Auch der Vorstand bekommt live und ohne Filterung durch Gatekeeper mit, was die Mitarbeiter beschäftigt. Damit ist Nachgefragt! ein Unternehmens-Seismograph, der nicht nur für den Vorstand wertvoll ist, sondern für alle Führungskräfte, weshalb wir auch allen Führungskräften empfehlen, regelmäßig bei Nachgefragt! vorbeizuschauen.

Ein Schritt auf dem Weg zum Enterprise 2.0

Es ließe sich noch einiges sagen zu Nachgefragt!. Zum Beispiel wird das Spektrum an Fragen immer größer. Während sich die ersten Fragen fast ausschließlich um Personalthemen drehten (Gehaltssystem, Entwicklungsmöglichkeiten etc.), gibt es nun immer mehr Fragen und Diskussion zur Unternehmensstrategie oder zur Organisation einzelner Bereiche. Oder Stichwort Anonymität: Fragen lassen sich auch anonym posten, Diskussion geht nur mit Klarnamen – was eine lange Debatte über Vor- und Nachteile von anonymen vs. Klarnamen-Postings ausgelöst hat.

Keine Frage: Wer sich auf den Weg in Richtung „New Work“ und Enterprise 2.0 begibt, braucht eine Strategie, er braucht langen Atem – er braucht aber auch Mut, Dinge auszuprobieren und nach und nach feinzujustieren. Mit Nachgefragt! haben wir das gemacht und mindestens eines gelernt: Auf dieser Reise wird es nie langweilig …

Mehr Infos

Im AviloX-Blog gibt es ein ausführliches Interview mit mir zu Nachgefragt!

6 Gedanken zu “Enterprise 2.0 – Social Media als Seismograph im Unternehmen

  1. Schönes Bild, der Seismograph! Habe es in einem anderen E2.0 Zusammenhang auch gerade heute erst verwendet. Herzlichen Gruss aus Wien … der MiSha

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