Krankenkasse ohne Homöopathie

Homöopathie-freie Krankenkasse gesucht!

Wer sich auf die Suche nach einer Krankenkasse in Deutschland begibt, die kein Geld für Homöopathie zum Fenster herauswirft, kann sich auf einiges gefasst machen …

Meine Krankenkasse hat mir kürzlich gut gelaunt mitgeteilt, dass ich selbstverständlich auch im neuen Jahr in den Genuss einer „Vielzahl von besonderen Mehrleistungen“ kommen werde, darunter auch „die homöopathische Behandlung“. Darüber war ich einerseits not amused, andererseits neugierig: Wie viele Krankenkassen in Deutschland bezahlen wohl diesen Unsinn und leisten damit ihren Beitrag zur Finanzierung der weltweit ca. 2 Milliarden Euro starken Homöopathie-Wirtschaft?

Immer mehr Kassen zahlen für Homöopathie

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte jubelt jedenfalls auf seiner Homepage: „Immer mehr gesetzliche Krankenkassen erstatten die ärztliche Homöopathie“. Und listet dann im Detail auf, welche Krankenkassen das sind: 68 Betriebskrankenkassen, die Hanseatische Krankenkasse, die Techniker Krankenkasse, die Barmer GEK, die Knappschaft und einige mehr.

Damit haben sich über die Hälfte aller Gesetzlichen Krankenkassen freiwillig dafür entschieden, die Behandlungskosten für ärztliche Homöopathie voll zu erstatten, wie der Zentralverein stolz zusammenfasst. Und er untertreibt. Tatsächlich berichtet das Ärzteblatt, dass 90 der rund 130 Krankenkassen in Deutschland die Kosten für homöopathische Behandlungen übernehmen.

Krankenkassen ohne Homöopathie? Nadeln im Heuhaufen!

Und unter uns gesagt: Selbst diese Zahl stimmt noch nicht. Bei eigenen Recherchen* schrumpfte meine Liste Homöopathie-freier Krankenkassen immer weiter zusammen. Schließlich standen nur noch 5 Kassen auf dieser Liste. 5 deutsche Krankenkassen, die nicht für Nichts bezahlen! Anders gesagt: Nur 4 Prozent der Krankenkassen verweigern sich dem Homöopathie-Unfug! Es sind die Folgenden:

Krankenkassen-Leistungen: von Ayurveda bis Eigenharntherapie

Wenn man die Suche über die Homöopathie hinaus erweitert, wird das Bild übrigens immer finsterer. Fast alle bieten irgendwelches Geschwurbel an. Der Wahrsagercheck kam bei seinen Recherchen vor etwa einem Jahr zu dem Ergebnis, dass überhaupt nur drei Krankenkassen in Deutschland weitgehend schwurbelfrei zu sein scheinen. Die Liste der esoterik-affinen Kassen wird übrigens von der Securvita angeführt. Die zahlt wirklich noch den allerletzten Mumpitz (inklusive anthroposophischer Medizin, Ayurveda und – kein Witz – Eigenharntherapie).

Kritiker gibt es natürlich auch, etwa Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Ärzteverbundes, der sich beschwert: „Die Krankenkassen finanzieren auf Kosten der Solidargemeinschaft jede Menge Unsinn.“ Solche Einwände verhallen aber weitgehend ungehört. Aktuell gibt immerhin eine Petition gegen die Kostenübernahme von homöopathischen Behandlungsmethoden als Satzungsleistungen der Krankenkassen.

Mit anderen Worten: In diesem aufgeklärten Land gleicht die Suche nach einer Krankenkasse, die keine Homöopathie finanziert, der Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Die meisten deutschen Krankenkassen ignorieren sämtliche wissenschaftlichen Erkenntnisse und dichten der Homöopathie auf ihren Internetseiten irgendeine „sanfte“ Wirkung an, die definitiv nicht existiert.

Krankenkassen: Volksverdummung statt Aufklärung

Bei der Kostenerstattung für Homöopathie werden, im Vergleich zur wirksamen Medizin, zugegebenermaßen keine riesigen Beträge bewegt. Krankenkassen bieten aus Marketinggründen solche Leistungen an – Nachfrage schafft Angebot. Aber mir geht es ums Prinzip. Krankenkassen, die Homöopathie bezahlen, leisten einen Beitrag zur Volksverdummung statt durch Aufklärung dafür zu sorgen, den einen oder anderen Patienten vor solchem Unfug zu bewahren.

Qualitaetssiegel Krankenkasse ohne HomoeopathieFazit: Augen auf bei der Wahl der Krankenkasse. Vielleicht entscheidet ihr euch für eine, die euer Geld nicht zum Fenster herauswirft, sondern damit wirksame Medizin finanziert, und die Homöopathie nicht echter Medizin gleichstellt, indem sie sie in ihren Leistungskatalog aufnimmt. (Und berücksichtigt bei eurer Wahl natürlich noch andere Kriterien, die euch wichtig sind.) Ich wünsche mir jedenfalls ein Qualitätssiegel als Entscheidungshilfe: „Krankenkasse – garantiert ohne Homöopathie“.

*Meine Recherche lief über einschlägige Krankenkassen-Vergleichs-Portale und über die Webseiten der Krankenkassen. Diejenigen Kassen, die als Homöoppathie-unverdächtig übrig blieben, habe ich per Mail angeschrieben und mir explizit bestätigen lassen, dass Kosten für Homöopathie nicht ersetzt werden.

Mehr zum Thema Homöopathie hier im Blog? Bitteschön …

20 Gedanken zu “Homöopathie-freie Krankenkasse gesucht!

  1. Mir hat ein Arzt mal in verblüffender Ehrlichkeit gesagt, 97% der Heilungserfolge beruhen auf der Weckung der Eigenheilkräfte. Das leuchtet mir ein. Und wie die geweckt werden, ist mir egal: durch Pillen, Placebos, gutes Zureden, Wickel – oder auch Globuli. „Wanns huift.“ An die Alltags-Medizin als „Wissenschaft“ glaube ich nur relativ beschränkt. – So gesehen sparen Krankenkassen, wenn durch Hokuspokus Heilungserfolge erzielt werden.

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    • Ich bin ein großer Fan davon, Heilungserfolge durch Selbstheilung & Placebos zu erzielen. Nur eben ohne Hokuspokus. Denn am Hokuspokus hängt jede Menge Aberglaube in Kombination mit völlig haarsträubendem Geschwurbel, gerade im Bereich der Homöopathie. Und das zu erheblichen Kosten für diejenigen, die an den Hokuspokus glauben.

      Und gefährlich wird das Ganze, wenn das Vertrauen in den Hokuspokus so groß wird, dass man bei echten medizinischen Problemen auf echte Medizin (die böse „Schulmedizin“) verzichten zu können glaubt. Krebs. Ebola. Solche Sachen. Für all das gab’s schon Homöopathen, die sich für zuständig erklärt haben. Sobald Krankenkassen Homöopathie und anderen Unsinn finanzieren, unterstützen sie solchen Unsinn auch dann, wenn’s gefährlich wird. Und das finde ich unerfreulich …

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    • Das Problem ist dass die Hersteller mit Placebos – die zu einem Bruchteil der später verlangten UND VON UNS ALLEN bezahlten Preise produziert werden – richtig reich werden. Gerne darf jemand mit Zuckerkügelchen seinen Lebensunterhalt verdienen und gerne dürfen die in aufwändigen Schachteln mit Hokuspokus und Brimborium verkauft werden. Nur wenn Ärzte und Apotheker so tun als wäre das echte Medizin und die Placebos dann tatsächlich als (dann wirkungslose) Alternative zu „echten“ Wirkstoffen zu „echten“ Preisen verschreiben/verkaufen, dann wirds auch einfach ein volkswirtschaftliches Unding.

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    • Und warum geht der ehrliche Arzt dann nicht während der Behandlung kurz in sein Kämmerlein an den Wasserhahn, füllt ein paar ml in ein Gläschen und preist dies der Kundin als Wunderheilmittel Globuli EXTRA an für „0“ €?

      Hilft mindestens genauso viel bzw. wenig wie Globuli D12 für 5€ das Fläschen.

      Ich sag nur pfui…. nichts anderes als der Quacksalber im Wilden Westen…
      Wir entwickeln und gerade wieder ins Mittelalter zurück.
      Würden die alten persischen Ärzte noch leben, Sie würden kaum glauben wollen, wie die „sogenannte zivilisierte“ Menschheit zunehmend verblödet, obwohl ihr alle Arten von Informationen und Wissen bereitstehen und sie daher in der Lage sein sollte, Wahrheit von Unwahrheit unterscheiden zu können.
      Erschreckend…

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  2. Ich hab mir deine 5 Kassen mal angesehen, da findet sich bei fast allen „Osteopathie“ :( Und teilweise auch Akupunktur. Ich bin bei der Suche auch frustriert gescheitert. Es bleibt nur seinen Unmut den Kassen kundzutun.

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  3. Wirklich schwierig wird es, wenn man in Deutschland eine Apotheke sucht, die nach wissenschaftlichen Standards arbeitet. Ich habe bisher leider keine gefunden, die auf den ganzen Esoterik-Mist verzichtet. Das muss doch einfach eine Marktlücke sein.

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  4. … schöne Idee, die Krankenkasse danach auszuwählen !! Das absurde (Pharma- und Versicherungs-) System wird es leider kaum verändert: Es wird angeboten, was von den Kaufkräftigen gerne gekauft wird, – unabhängig von der Nachweisbarkeit des Nutzens und der Anzahl der Hilfsbedürftigen. Antibiotika-/HIV-/Ebola-Forschung bringt keine Kohle, aber Placebo-Kügelchen an wohlstandsverblödete Träumer, – das geht immer … ; -)

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    • Problematisch wird es dann wenn auch gutgläubige besorgte Nicht-so-gut-Verdiener in der Apotheke was für ihre maladen Kinder haben wollen und ihnen dann wegen der (vermutlich viel höheren) Gewinnmarge der Schrott als Wundermittel angepriesen und verkauft wird – anstatt sie mit dem Hinweis dass APOTHEKER KEINE ÄRZTE sind zum Arzt zu schicken.

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  5. Wenn man wirklich so speziell sucht, dann würde ich schon auf einen Krankenversicherung Vergleich und eine Krankenkassenberatung setzten. Klar weiß man nicht immer ob der Beratung unabhängig ist, aber es ist trotzdem eine gute Krankenkasse Hilfe denk ich mal. (:

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  6. Mich würde mal interessieren, auf welche Studien zum Thema Homöopathie du dich beziehst. Ich bin noch etwas umentschlossen bei dem Thema Krankenversicherung und Krankenkasse, aber grundsätzlich finde ich die Idee gut, der Verbraucher sollte selbst entscheiden können, in welche Leistungen er investiert.

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  7. Danke, Danke, Danke – für diese Liste :-)
    Ich habe schon mehrfach versucht, eine Krankenkasse ohne Homöopathie und ähnliches zu finden, (insbesondere, nachdem meine Kasse den Zusatzebitrag erhöht hat – ist ja alles so teuer, aber Geld für Zucker scheint da zu sein :-( ) habe dann aber immer wieder frustriert aufgegeben.

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  8. Das gleiche durfte ich kürzlich auch bei einem Krankenkassen Vergleich feststellen. Schade, denn die Auswahl an Krankenkassen ist so gross und dennoch kommt man nicht umhin, für medizinisch nicht wirksame Therapien mitzuzahlen.

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